Die Rückblicke der vergangenen Jahre: 
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Willkommen zur dritten Staffel von 2020!
Die Handlung ist weitgehend unverändert. Lernen durch Schmerz, nur ohne Lernen – wie mein lieber Freund Wilm (🖤) es einst so passend formulierte.
Corona tobt mit neuem Adjektiv, aus pandemisch mach endemisch – ist für die infizierte Person völlig wumpe und alle sinnvollen und notwendigen Maßnahmen wurden mittlerweile weitgehend abgeschafft.
Das halbe Land ist krank, aber ‚ist ja nur eine Erkältung‚.
Weltweit sieht es eher noch schlimmer aus, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine macht mich nach wie vor fassungslos – ich hatte echt gedacht, wir wären allesamt ein wenig weiter.
Ihr merkt schon, das wird kein schöner, fröhlicher oder heiterer Rückblick. Das war ein sehr herausforderndes Jahr mit wenig Highlights, von denen viele nur durch die vorangegangenen Katastrophen entstanden sind. Eins freut sich mehr über Gesundheit, wenn es vorher krank war.
Ganz langsam wird es besser im Moment, die Weihnachtszeit hat definitiv Entspannung gebracht.
Also ran an die Fragen.

Zugenommen oder abgenommen?
Es lief alles relativ gleichmäßig auf gesundem Level bis zum Herbst. Ende August ein kurzer Knick nach unten – emotionaler Stress, wir kennen das, steht hier nicht zum 1. Mal.
Der Knaller dann natürlich im Oktober, Covid hat mich mächtig in die Mangel genommen und ein paar Wochen aktivitätslos rumliegen taugt nicht gerade fürs Zunehmen bei mir. Gewogen habe ich mich nicht, aber es war schon krass.
Update: 67 kg nach mehreren Fressorgien zeigt die Waage Anfang Dezember, also war ich wohl so auf 62 kg runter. Von gesunden 74 kg. 😱

Haare länger oder kürzer?
Der Corona-Iro bleibt, die Pandemie ist ja auch nicht wirklich vorbei, egal, was verkündet wird. Vielleicht färbe ich ihn jetzt doch, nachdem die Uniklinik mir das Virus verpasst hat.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Da hat sich gar nichts getan, dieses Jahr waren andere Organe auffälliger. Die Brille rutscht auf der Maske, das ist bisweilen nervig.

Mehr Kohle oder weniger?
Dramatisch weniger, wie erwartet. Der Gegenwert wird aber auch fantastisch, auch wenn eins das jetzt noch nicht jederzeit erkennt.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ein großes Ziel regt schon ein wenig zum Sparen an, also habe ich generell weniger ausgegeben, speziell sehr viel mehr, siehe eins drüber. Hausbau kostet.

Mehr bewegt oder weniger?
Ausreichend im guten Bereich bis zum Herbst. Zwei Aus- und Umzüge haben genügend Hin- und Her-Potenzial und das habe ich weidlich genutzt und während der akuten Bauphase habe ich keinen Tag unter 11.000 Schritten gehabt.
Ab Oktober dann erst mal wieder Inaktivität, außer zum Klo zu schleichen. Und wenig Schritte, die dafür umso anstrengender. Es geht aber aufwärts und damit meine ich nicht nur in den 4. Stock.

Der hirnrissigste Plan?
Der stammt tatsächlich noch aus dem letzten Jahr, entfaltet aber gerade seine volle Wirkung: Tatsächlich einen Hausbau zu verschieben, weil ein Schiff im Suezkanal feststeckt und der Holzmarkt durchdreht, um mit der Verschiebung in die Folgen eines VÖLLIG HIRNRISSIGEN UND BRUTALEN ANGRIFFSKRIEGES zu geraten. Gefühlt wird jede Woche alles teurer und das Projekt kotzt mich gerade sowas von an.

Die gefährlichste Unternehmung?
Was hätten Sie denn gerne: Eine Krebs-OP, die postoperative Corona-Infektion oder… ach, es gab reichlich…

Die teuerste Anschaffung?
Ein Stockwerk.

Das leckerste Essen?
Spät, aber dennoch. Mushroom and lentil stew nach dem Rezept von Julia Prescott.
Unfassbar. So ein grandioses Essen. Ich hoffe, sie vergibt mir, dass ich ihr Foto geklaut habe, selbst habe ich keins machen können, so schnell war das weggefuttert. Zu Weihnachten habe ich dann noch ein veganes Gulasch gezaubert, von dem ich auch sehr überzeugt bin.
Ansonsten outside dining only, das Ponte in Bockenheim und vor allem das Zwei und Zwanzig in Geisenheim waren wie immer großartig. Außerdem wird es echt Zeit für ein Blogpost über den Lieblingsimbiss in Geisenheim, fällt mir gerade auf.

Das beeindruckendste Buch?
Kann ich so nicht sagen, konnte keinem ganzen Buch folgen. Vorlesen hat auch nicht so geklappt dieses Jahr, bestenfalls mal eine Kurzgeschichte.

Der ergreifendste Film?
Filmisch war das ein Taylor-Sheridan-Jahr. Sprich, außer Serien nicht viel gewesen. ‚Yellowstone‘ ist grandios, ‚1883‘ noch mehr und ‚The Mayor of Kingstown‘ unterhält auf einem sehr heftigen Level. Ich hab viel gesehen, wenig war toll, aber ich war auch die meiste Zeit eher gestresst oder krank.

Das beste Album?
Kein Jahr für Musik. Aber so gar nicht. Aufgrund der Verluste durch ’nee, ich geh dann doch lieber nicht hin‘, sind mir manche Sachen nachgerade verleidet worden. Zum Jahresabschluss kommen die Puscifer-Remix-Alben ‚Parole Violator‘ und ‚V is for Versatile‘ ganz okay.

Das schönste Konzert?
Ich übernehme mal aus dem Vorjahr: Ach, halt doch die Fresse!
Schlimmster Ausfall: Frank Turner, Lost Evenings in Berlin. Über 600 Euro non-refundable. Ich mag ihn gar nicht mehr hören im Moment, dabei kann er gar nichts dafür. Bin einfach nur sauer. Keine Bright Eyes, keine Skálmöld, keine ZSK (zusammen mit Rise Against auf einer Tour, can you imagine?)

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Dem Primary. Und dem Polycule. Zu viel Zeit und Beschäftigung fehlinvestiert, though.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Meinen Liebsten. Ihr seid großartig. Danke für alles, ohne Euch wäre ich im wahrsten Sinne des Wortes dieses Jahres draufgegangen.

2022 zum ersten Mal getan?
Eine Krebsdiagnose erhalten.

2022 nach langer Zeit wieder getan?
Mich freiwillig in ein Krankenhaus begeben. War einerseits eine gute Idee, weil die Krebserkrankung vermutlich schon erledigt ist jetzt, aber Corona ist halt auch kein Zuckerschlecken.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Corona. Überhaupt und im speziellen sowieso. Das war eine 💩-Erfahrung der besonderen 💩-Klasse.
2. Krebs. Mit allen Begleiterscheinungen, die gerade so ein Prostatakrebs mit sich bringt. Eine Prostata-Biopsie ist so ziemlich das ekligste, was ich je mitgemacht habe, nicht wirklich schmerzhaft, aber einfach widerlich in der Gesamtheit. Die OP-Nachwirkungen waren auch nicht ganz so ohne.
3. The global situation. Auf allen Ebenen, Ukraine, Klimawandel, Faschismus, Qatarstrophe und so weiter.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Äh, hab ich aufgegeben. Sinnlos. Die einen wollen nicht zuhören und die anderen können es nicht.

Das schönste Geschenk?
Bin am Leben und krebsfrei, wie es ausschaut. Danke dafür und an mein tolles Umfeld.

2022 war mit einem Wort …?
Hässlich.


Headerbild von Gerd Altmann auf Pixabay


sparta

Antifascist. He/His. Get vaccinated. Wear a mask. Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963. Change is constant.

2 Kommentare

Uwe Sinha · 28. Dezember 2022 um 13:56

@donsparta Gibt's das Rezept für "Mushroom and lentil stew" irgendwo online (und stelle ich mich beim Suchen nur zu blöd an)? Ich bin, seit ich denken kann, großer Linsensuppen- und Pilz-Fan, aber beides zusammen habe ich noch nie probiert.

    sparta · 28. Dezember 2022 um 21:29

    Wie schon auf Mastodon geschrieben – das Rezept habe ich online nicht gefunden, wir haben es aus Jessica Prescotts Buch ‚Vegan One Pot Wonders‘.
    Aber du solltest Post haben ;-)

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