Trockenes Land und an den Pazifik (Guanacaste, Puntarenas)

Nach den gestrigen Anstrengungen ist heute Rumfahren angesagt, es geht von den grünen Regenwaldregionen nach Guanacaste, wo Weideflächen und trockene Steppen auf uns warten, aber auch der Rio Bebedero, auf dem wir am späten Morgen aufschlagen.

Dort machen wir eine faszinierende Bootstour von knapp zwei Stunden, auf der wir ein Krokodil, viele Basiliske, Reiher, extrem gut getarnte Fledermäuse und viele andere Tiere sehen. Am Bootsanleger gibt es auch das Mittagessen mit Fisch und Reis und Bohnen *überraschung*.
Dann geht es weiter nach Liberia und ein paar Meter ab vom eigentlichen Weg, da für zwei Geburtstagskinder in unserer Reisegruppe ein Besuch in der deutschen Bäckerei der besten Freundin unserer Reiseleiterin arrangiert wurde – komplett mit Bowle und Schwarzwälder Kirsch :-D.
Diese Überraschung gelingt ausgesprochen gut.

Nach einer Stunde brechen wir dann zum heutigen Endziel, der Hacienda Guachipelin,auf, wo wir gegen fünf Uhr eintreffen und neben dem Pool auch ein sehr schönes Abendessen genießen.
Wie üblich liegen wir früh im Bett – gegen neun und schlafen gut bis morgens um sechs :-)

‚Heute‘ geht es in den Nationalpark rund um den Vulkan Rincon de la Vieja. Eine verschärfte Hiking-Tour von über drei Stunden mit steilen Aufstiegen durch wurzeldurchklüftete Hänge und entlang einiger Fumaroles (schwefelig dampfende Erdlöcher, die von vulkanischer Aktivität zeugen) und kochender Wasserstellen.
Es ist heiß und trocken, das Unterholz im Schwefeldampf wirkt wie tot, soll sich aber angeblich in der Regenzeit wieder erholen – ein extremer Kontrast zu den wenige Meter entfernten Bergwäldern, die unter dem Einfluss atlantischer Strömungen dicht und grün (und vor allem schattenspendend) stehen.

Die Tour fordert mich bis an die Grenze meiner schmalen Leistungsfähigkeit, aber ich meistere auch diese Herausforderung. Beim Mittagessen auf der Hacienda bin ich drum auch sehr stolz und die kalten Biere schmeckten selten besser :-)
An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die Gruppe, die meine Performance freundlich duldete und natürlich an Rebecca, die immer checkte, ob ich noch im grünen Bereich bin.

Mittagessen in der Hitze muss kalt sein: Die Ceviche im Restaurant der Hacienda ist wirklich vorzüglich, ein sehr gelungener Vormittag.
Den Nachmittag verdröseln wir im (klimatisierten!) Zimmer und zum Abend hin besuchen wir die nahen Thermalquellen. Die haben es reichlich in sich, bis 39° und der Weg war obendrein steil, aber es war sehr lustig, sich mit Schlamm einzuschmieren,  auch wenn keine*r so recht wusste, wofür das gut sein sollte :-)
Auf alle Fälle nochmal ein kleiner Ritt auf dem beanspruchten Kreislauf rum und von daher nicht weiter verwunderlich, dass es uns kurz nach dem Abendessen wieder den Boden unter den Füßen wegzieht und wir in unsere Betten fallen…

Am nächsten Morgen geht es auf die lange Fahrt gaaaaaanz runter an den Pazifik. Der vermeintlich clevere Schachzug, auf einem Umweg die Baustellen der Panamericana zu vermeiden, schlägt grandios fehl, weil sich die Nebenstrecke als baustellen-übersäht erweist :-(
Unter Missachtung der gängigen Geschwindigkeitsbegrenzungen gelingt es unserem Fahrer aber, einen Großteil der Verzögerung aufzuholen, so dass wir nicht nur einigermaßen pünktlich beim Mittagessen eintrudeln, sondern auch gerade zur eintretenden Dunkelheit in der bezaubernden Rio Tico Safari Lodge ankommen.

Einen Zwischenhalt haben wir aber noch. Am Rio Tarcoles, der sich von der Brücke herunter wie der Fluss aus der Schlussszene von Indiana Jones 2 zeigt – es wimmelt vor Krokodilen, die von amerikanischen Touris mit Bananen (WTF?) angefüttert werden. Es ist eng auf dem schmalen Steg, der sich Bürgersteig nennt und die Trucks donnern zentimeternah vorbei…

In der Rio Tico Lodge eingetroffen beziehen wir unser Zelt und bestaunen das Urwalderlebnis von der großen Terrasse aus.
Das Abendessen mit ganzen Tilapias in der Nähe der Lodge ist vorzüglich und alles ist bestens – bis Kathinka in der Nacht massive Verdauungsprobleme bekommt…

Dementsprechend fällt für uns die für den nächsten Tag angesetzte Wanderung komplett flach – sie ist ohnehin sehr steil und damit anstrengend und wäre nicht besonders sinnvoll für mich gewesen, da aber Kathinka völlig in den Seilen hängt, verzichten wir dankend und machen uns einen gemütlichen Tag auf der Lodge – Kathinka weitgehend im Bett und ich auf der Terrasse und in der wunderschönen Anlage.
Da gibt es natürlich wenig zu berichten, außer über die Lodge und ihren netten Besitzer. Cees macht nicht nur leckere Snacks und ein tolles Frühstück, er weiß auch von ulkigen Touris zu berichten, die ihr Safarizelt gerne mit Klimaanlage und vor allem Fernsehen gehabt hätten. „Go and sit on the porch, you’ll have ‚National Geographic Channel‘ 24 hours a day.“
Man muss auch wirklich nur warten, dass die Vögel vorbeigeflogen und die Reptilien -geschlichen kommen. Ansonsten geht man die 5 min. runter zum Wasserfall mit dem natürlichen Becken davor zum Abkühlen – der schönste Pool auf unserer Reise.
Dorthin schafft es Kathinka am Nachmittag immerhin und mir gelingt der Aufstieg hinterher zur Lodge hoch *g*.

Leider muss Kathinka auf das besondere Abendessen verzichten – wir haben alle zusammengelegt, Grillfleisch und Krams besorgt, äh besorgen lassen und im Lokal von gestern wird dann für uns gegrillt, Gitarre gespielt1 und zum Rum trinken sind wir dann auch noch ordentlich gekommen.

Am folgenden Morgen geht es Kathinka zum Glück schon besser, so dass dem extra gebuchten Ausflug nichts im Wege steht2. In der Früh fahren wir nach Sierpe, wo uns ein Boot mit Führer und Kapitän erwartet und erst mal entlang der Mangroven des Rio Sierpe schippert. Der Fluss ist fast vollständig mit Wasserhyazinthen überwuchert, die nicht nur Krokodile perfekt verbergen, sondern auch Äste, die nicht in die Schraube kommen sollten.
An der Flussmündung in den Pazifik muss der Wellenkamm umfahren werden, was angesichts der ruhigen See sehr unspektakulär ist – wir hatten uns unserer Seefestigkeit wegen schon auf ein wenig mehr action gefreut. Egal.
Wir fahren weiter zur Isla del Caño, sichten unterwegs Delphine (ich hab sie nicht gesehen, aber was soll’s) und – kurz bevor es ans Schnorcheln geht – einen wenigstens 4m breiten Mantarochen. Ein unvorstellbarer Anblick, dieses riesige Tier durch das Wasser schweben zu sehen, auch wenn die Kameras schon weggepackt waren und wir daher keine Bilder von diesem Augenblick haben.
Schnorcheln ist ganz okay, keine nervigen Strömungen, aber auch keine außergewöhnlichen Begegnungen. Obendrein tun die geliehenen Flossen an den Füßen weh, also lieber raus :-)
Nach dem Mittagessen in einer abgeschiedenen Bucht und einem Bad im Pazifik fahren wir durch Seitenarme des Flusses zurück nach Sierpe. Die Mangroven sind faszinierend, die Totenkopfäffchen aber auch.
Der Höhepunkt des Tages wartet aber in Sierpe auf uns, das Pärchen Hellrote Aras, dass in einem Baum am Dorfplatz ein tolles Spektakel an Akrobatik und Farben liefert. Dass ich mir keine Blase am Zeigefinger vom vielen Auslösen geholt habe, ist wirklich verwunderlich :-D

Der Rest des Tages verläuft unspektakulär (abgesehen von einer riesigen Kröte, die ich vor unserem Zelt erwische *g*)

  1. In Uvita war unserer Reisegruppe ein lokaler Führer zugestiegen, Evaristo, dessen Fähigkeiten, Tiere aufzuspüren schon fast prophetische Züge annahm. Außerdem ist er ein rundherum cooler Typ :-)
  2. Immodium darf in der Reiseapotheke nicht fehlen

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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