Bergnebelwald, Karibik und Reiseende (Valle Central + Caribic)

Der Abschied von der Rio Tico Lodge fällt nicht leicht, wir haben uns trotz gesundheitlicher Malessen sehr wohl hier gefühlt. Allgemein ist die Stimmung ein wenig im Keller, haben wir den Eindruck, es droht natürlich auch das Urlaubsende immer deutlicher ;-)

Bei schönstem Wetter geht es in die Berge1. Unsere ‚höchste‘ Übernachtung steht an und vorher will der ‚Cerro de la Muerte‘ überwunden sein.
Dieser Pass stellt mit 3.369m tatsächlich den höchsten Punkt der Panamericana dar.

Jetzt ist wohl auch die Reihe an mir, den ganzen Tag ist mir flau im Magen und mittags gibt es deshalb nur eine (very chunky) Gemüsesuppe.
Es bleibt allerdings nur leicht nervend und verursacht keine größeren Probleme.
Der Pass entpuppt sich als unspektakulär, alle versuchen wohl nur so schnell wie möglich drüber zu kommen und außer für ein Erinnerungsbildchen taugt er tatsächlich nicht.
Bei der Weiterfahrt unterläuft unserem ansonsten sehr guten Fahrer beinahe ein folgenschwerer Fehler, der große Kühlergrill mit ‚MACK‘ drauf war doch sehr nahe…

Dann trudeln wir aber auch schon in der Lodge für heute ein – der einzige Komplett-Reinfall.
Zwar ist die Lage wunderschön, aber da immer zwei Pärchen eine Hütte bewohnen, landen wir in einem winzigen Zusatzzimmerchen ohne Aussicht. Das andere Zimmer hat zwar einen Whirlpool, der nutzt aber nix, wenn es kein Wasser gibt, wie am ganzen Abend.
Genervt und leicht angeschlagen verziehen wir uns einfach um sechs ins Bett und tatsächlich schlafen wir mit Unterbrechungen fast 12 Stunden… ;-)
Früh morgens geht es noch vor dem Frühstück auf die Suche nach dem sagenhaften Quetzal.
Tatsächlich hören wir die Rufe des ‚Göttervogels‘, die wie ein rostige Kinderschaukel klingen und mich an die Eröffnungsszene aus ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ erinnern. Nur dass es hier auf 2.700m Höhe nicht heiß und trocken, sondern nebelig und angenehm kühl ist.
Okay, wir sehen keinen Quetzal. Damit haben wir uns soweit abgefunden und ein Teil unserer Gruppe will nicht mit dem Bus zurück nach oben, sondern den Trail zurücklaufen.
Das hätten sie mal besser nicht gemacht, denn keine 5 min. später und nur ein paar Meter weiter spüren wir tatsächlich einen der seltenen und unfassbar beeindruckenden Vögel auf, der sich von beiden Seiten zeigt, bevor er im Dickicht des Waldes verschwindet…
Alle sind völlig begeistert ob dieser Begegnung.
Frühstück ist okay und während der Bus beladen wird, wärmen wir uns in der Sonne.

Über Carthago, Turrialba und den großen Frachthafen Puerto Limon fahren wir in den südöstlichsten Zipfel von Costa Rica, nur wenige km sind es noch bis Panama.
„Die Karibik,“ hören wir „ist ganz anders, viel lockerer. Mehr Reggae, mehr Drogen, mehr Cocktails und so…“
Nachdem wir nahezu alle ‚wichtigen‘ Tiere mittlerweile gesehen haben, aber noch kein einziges Faultier, lobt unsere Reiseleiterin einen Mojito als Belohnung aus für die erste Sichtung (mehr Cocktails und so)
Es gelingt mir zwar nicht, ein Faultier zu sichern, aber ich finde wenigstens eine Kolonie Mantelbrüllaffen kurz vor unserem Hotel. Auch nicht verkehrt.

Cariblue Lodge beginnt für uns unspannend, erst nachdem sich unser Zimmerschlüssel als untauglich erweist, wird es gut: Wir bekommen eine Hütte mit Klimaanlage und schönerem Bett. Dafür ist die Klospülung kaputt – das ist aber mit zwei Kabelbindern schnell gefixt. Wir sollten in ein paar Jahren nochmal hin, um zu checken, ob unser Provisorium immer noch existiert :-D
Wir sind von der langen Fahrt geschlaucht und einmal mehr früh in den Federn.

Bestandsaufnahme am nächsten Morgen: Um unsere Hütte gibt es große blaue Krabben, die Anlage ist von unzähligen Fröschen besiedelt, blaue Morphofalter fliegen ein ums andere Mal vorbei und die Mojitos waren wirklich sehr gut :-D
Der Bus bringt uns noch ein paar Kilometer weiter südlich, wo wir am Atlantik entlang ein Naturschutzgebiet erwaten, -wandern und -klettern. Ist aber alles in meinem Leistungsbereich.
Jede Menge Eidechsen und Basilisken gibt es hier, große Radnetzspinnen (wie in Namibia oder auf den Seychellen), Blattschneiderameisen und auf der Rückfahrt tatsächlich auch ein Faultier, das allerdings so hoch im Baum kaum auszumachen ist.
Entdeckt hat es der Fahrer. Fahrer kriegen keinen Mojito.  ¯\_(ツ)_/¯

Da wir uns nach der Wanderung ein selbstgemachtes Pati und eine frische Kokosnuss haben schmecken lassen, brauchen wir kein Mittagessen und fahren nach einem entspannten Bad im nicht so entspannten Atlantik und einer kalten Caipirinha mit dem Taxi nach Puerto Viejo.
Geld holen ist gar nicht so einfach, wenn man Colones abheben will und der Automat unter Hinweis, dass man hier nur Colones abheben könne, den Vorgang abbricht (nein, ich habe mich nicht vertippt).
Erst mal noch eine Caipirinha. Der Tag wird immer ulkiger :-)
Wir wühlen uns durch Souvenirläden und nehmen zum Abschluss unseres Bummels noch einen Mojito (*hicks*).
Am letzten gemeinsamen Abend mit allen haben wir unser eigenes Lokal zum Dinner. Essen und Stimmung sind prächtig, Reiseleiterin und Fahrer werden gefeiert und beschenkt. Im einsetzenden Regen fahren wir dann zurück und nehmen noch einen letzten Absacker an der Bar…
10:00 Uhr am Morgen erst Abfahrt, das ist ein Luxus, den wir gar nicht kennen, ausgiebig Zeit zum Packen und noch eine Stunde im Pool rumliegen. Frösche.

Dann langweilige und ruhige Fahrt nach San José zur letzten Station der Reise.
Unser Innenstadthotel Fleur de Lys ist wirklich knuffig. Kolonialstil, dunkles Holz allenthalben und verwinkelt bis zum gehtnichtmehr.

Unser Zimmer im zweiten Stock hat eine eigene Terrasse, die uns über den Aufstieg ohne Aufzug hinweg tröstet.
Noch ein ausgezeichnetes Dinner und dann folgt eine unruhige und zu Beginn recht laute Nacht, die um halb vier ihr Ende findet – auf auf zum Flughafen.
Die Formalitäten sind zügig abgewickelt und es geht auch wirklich pünktlich los – die bessere Ausstattung – diesmal auch mit Fensterplätzen – macht sich wieder bemerkbar und wir kommen einigermaßen ausgeruht und voller toller Eindrücke um 5:10 morgens in Frankfurt an.

  1. Hinterher erfuhren wir, dass es kurz nach unserer Abreise rund um die Lodge zu regnen begann und zwei Tage nicht aufhörte, wir haben also riesiges Glück gehabt.

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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