31.03. The big hole in the ground
Morgens darf ich mir erstmal  die letzten Reste des Abendessens durch den Kopf gehen lassen und fühle mich hundeelend, als ich in den Bus steige…

Es geht aber auf der holperigen Strecke jede Minute besser und gegen 12, als wir am Canyon aufschlagen, bin ich wieder absolut fit.

Die Straße ist die Hölle, der reinste Kartoffelacker verglichen mit allem, was wir bisher unter die Reifen genommen hatten. Dafür ist entlang der Straße einiges los, wir sehen Strauße, eine Kobra (!), Springböcke und immer wieder die wunderschönen Oryx-Antilopen, leider auch immer so weit weg, dass man ein 400mm-Tele herbeisehnt.
Der Fish River Canyon ist nach dem Grand Canyon der zweitgrößte dieser Art und wir sind einfach flach geschlagen von dem gigantischen Anblick,  während wir einen kleinen Spaziergang entlang der Kante machen.
Von dort geht es ins Canyon Roadhouse, wo wir auf Bier und einen Light Lunch einkehren.
Die bestellte scharfe Hühnerleber ist wirklich sauscharf, aber sie bleibt drin und ich fühle mich satt und wohl.
Gerade fahren wir durch ein Gewitter, das sich gewaschen hat, sofort steht überall das Wasser, es sind aber auch schiere Sintfluten, die da runter kommen.
Ratzfatz werden aus kleinen Washouts reißende Ströme und wir werfen konstant Wellen an beiden Seiten. Sehen kann Gustav eigentlich nichts mehr, aber er hat sich auch schon in den letzten Tagen als ausgezeichneter Fahrer erwiesen, bei dem wir uns absolut sicher und geborgen fühlen, auch wenn der Karren sich mit Bocksprüngen fortbewegt. :-)
Weiter geht es auf geteerter Straße Richtung Lüderitz, bzw. Aus, wo wir heute und morgen nächtigen werden.
Der Weg ist weit und es wird still im Bus, während alle vor sich hin dösen oder die Weite der Landschaft wirken lassen.
Wolkenformationen, Gebirgszüge in der Ferne und endlose Wiesen und Weiden, vereinzelt Kühe, zwischen die sich Wildtiere, meist Springböcke, mischen.
Kurz vor Sonnenuntergang gelingt es Kathinka und mir, eine Agame zu fangen und kurzzeitig sind wir damit die Hauptattraktion des Tages :-).

Der Sonnenuntergang selbst kurz vor Aus ist dann nicht sooooo spektakulär, aber es ist der erste, den wir in Namibia sehen, also schon etwas Besonderes. Wenn es halt mal nicht regnet *g*.
In Aus wartet ein nettes Hotel mit sehr freundlichen Angestellten, die uns nach dem Dinner mit ein paar Liedern (darunter eines teilweise in Nama, einer Buschmann-Sprache mit Klick- und Schnalzlauten) unterhalten, wir haben viel Spaß und das Essen ist auch sehr gut.
Knallharte Matratzen sorgen einmal mehr für überaus guten Schlaf, nach der grausigen Nacht vorher kommt mir das sehr gelegen.

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01.04. Fast sands and lazy winds1
120km beträgt der Weg nach dem Frühstück nach Lüderitz, vorbei an Garup und den ‚Wild’pferden,  aber dann zuerst geht es nach Kolmanskop (Kolmanskuppe), in die ehemalige Diamantenstadt, durch die heute der Sand weht, nachdem 1956 der letzte Einwohner die Stadt verließ.
Heute eine ‚Geisterstadt‘, in der noch Teile der alten Einrichtungen anhand der Schilder identifizierbar sind (Kegelbahn, Casino, Metzger), liegt Kolmanskop in einem sehr kargen Teil der Namib zwischen Sand und Felsen.
Sand wird ohnehin unser Begleiter am heutigen Tage und meistens ist er ’schnell‘: Die Schilder ‚Sand 60km/h‘ sind verständlich :-)

Lüderitz ist ein Dorf, in Felsen gehauen, windumtost und gepflastert mit Gebäuden aus der Kaiserzeit, Jugendstil dominiert allenthalben. Wir essen großartig zu Mittag, Kathinka traut sich an die ersten Austern ihres Lebens und die Tintenfisch-Steaks sind vorzüglich.
Nach dem Essen geht es zu ‚Dias Point‘, einem Aussichtspunkt mitten im Wind, wir können uns kaum auf den Beinen halten, die Hosen flattern und manchem wird regelrecht flau, denn Sicherung gibt es wenig, schon der Zugang über einen teilweise bedenklichen Holzsteg hat es in sich.
Auch danach in der Sturmvogelbucht weht es ordentlich, die Gischt wirft Regenbögen und wir sammeln Muscheln. Auf dem Rückweg weht der Sand über die Straße und dringt in kleinen Fahnen ins Auto, alles ist voller Sand und wenn wir zurück sind, werden mal alle Geräte druckluftbehandelt werden müssen.
Achja,  der erste Sonnenbrand ist auch da :-) Auf dem rechten Fuß, da habe ich wohl mit dem Sonnensprüh gespart…
Der Abend wird vom Essen her ungewöhnlich, weil die Bedienung in Aus so schnarchlangsam ist, dass unsere Bestellungen erst eine Stunde später geliefert worden wären und wir von daher verzichten.
Schlafen tun wir auf den harten Matratzen aber ausgezeichnet.

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  1. a lazy wind = it will rather go through you than around you

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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