02.04 Making mileage
Endlich. Der neue Bus ist da und die Klimaanlage funktioniert, ansonsten ist er ein Spiegelbild des alten. Okay, die Sitze sind auch ein wenig straffer :-)

Heute liegt eine heftige Etappe vor uns, rund 400km Schotterstraße bis zur Betesda Lodge, aber die Strecke wird als ausnehmend schön beschrieben und das ist sie auch.
Zwischen der roten Namib auf der linken und den Tiras-Bergen auf der rechten Seite können wir uns am Farbenspiel kaum satt sehen, außerdem haben wir jede Menge interessante Haltepunkte.
Der erste kommt überraschend mit einem Wendemanöver – Gustav hat am Straßenrand tatsächlich bei voller Fahrt ein Chamäleon entdeckt und wir bewundern alle das fremdartige Reptil, das artuntypisch ruhig ist und erst anfängt zu protestieren, als ich es ins Gras neben der Straße zurücksetze.
Einen Fotostopp weiter finden wir eine putzige Eidechse und Kathinka entdeckt eine Schlange, die sich bei Annäherung unter einen Stein verzieht. Als ich diesen hochhebe, verschwindet sie blitzartig in einem nahen Loch, aber aufgrund eines Fotos werden wir das Tier sicher zu Hause identifizieren können.
Steine drehe ich weiter um und das giftige Glück bleibt mir treu, unter dem nächsten liegt nämlich ein Skorpion, der erste, den ich in freier Wildbahn sehe, lt. Gustav auch ein eher gefährlich giftiges Exemplar.
Wenig später kreuzt ein wohl lebensmüder Schakal unseren Weg, kommt aber nicht unter die Räder…
Kurz nach dem Mittag erreichen wir Schloss Duwisib, welches ein deutscher Adliger im Stil einer Lego-Burg (oder Disneyworld) mitten in die wunderschöne Landschaft Namibias pflanzte, dort zwei Jahre verbrachte, um dann im 1. Weltkrieg zu fallen.
Für uns ist der nebenan kredenzte frische Apfelkuchen und das kalte Bier nach dem langen Ritt aber viel wichtiger.
Kathinka nimmt sich Samen der in Schloss Duwisib den Innenhof beschattenden Jacaranda mimosifoliae mit, auch wenn es sich nicht um ein einheimisches Gewächs handelt.
Ein paar km nach Schloss Duwisib wird der Urlaub im (total grünen) Wüstenland Namibia einmal mehr ein wenig skurril, als wir an einer der vielen Pfützen, die sich quer über die Straße ziehen, halten. Ich darf Frösche fangen!
Amphibisches Leben in Namibia zu erleben hätte ich mir nun wirklich nicht erträumt und die Frösche sind darüber hinaus auch sehr lustig, weil klein und aufgeplustert, von der Zeichnung wie europäische Wasserfrösche, aber nur zu sehr kurzen Sprüngen in der Lage und von daher einfach zu fangen.
Wir stören einen Schlangenadler (black chested Snake-eagle lt. Bestimmungsbuch von Gustav) beim Roadkill-Verzehr und überqueren schließlich den 1800m hohen Zaris-Pass, ein Areal voller faszinierender Steinen mit Mangan-Einschlüssen.
Ein paar Fotopäuschen später erreichen wir mit dem Sonnenuntergang die Betesda-Lodge für eine kurze Nacht – morgen wird es um kurz nach sechs weitergehen, äh, kurz nach fünf, aber namibische Winterzeit, in dieser Nacht werden die Uhren umgestellt.
Der Ausblick von der Terrasse des Zimmers ist gigantisch, einmal mehr fasziniert uns auch der Nachthimmel. Die Betten sind sehr gut und nach einem frühen Dinner vom Buffet (naja) gehen wir beizeiten Schlafen. Die Nacht wird kurz, ist aber dank Klimaanlage sehr erträglich.

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03.04 Red sands
Viertel nach fünf Abfahrt. Im Urlaub… ;-)
Es geht es los zum Sossusvlei, dessen Tore im Sonnenaufgang geöffnet werden, heute sogar eine Viertelstunde früher. Da die Straße geteert und die Geschwindigkeit auf 60 km/h gedrosselt ist, können wir uns in Ruhe und ausgiebig der reichhaltigen Tierwelt mit vielen Springböcken und Oryx-Antilopen, wieder mal einem Schakal und zwei Sekretären widmen.
Rechts und links der Straße erstrecken sich sonnenbeschienen die roten Dünen der Namib und kontrastieren zum einem mit ihren eigenen Schatten und zum anderen mit dem wolkenlos blauen Himmel – herrliche Farben, die uns permanentes Fotografieren abnötigen :-)
Der erste Halt bringt uns alle zum Steine sammeln, die Schwarzkalk-Steine, von Gustav vorher schon angekündigt, werden in rücksichtsvoller Menge mitgenommen.
Wir fahren an der weltberühmten Düne 45 vorbei, diese ist zwar für sich genommen spektakulär, aber die Umgebung ist eher banal.
Dann ist auch schon der Punkt erreicht, von dem aus man nur im Geländewagen oder mit Allrad-Antrieb weiterkommt und besteigen ein 10-sitziges Ungetüm. Wir hoppeln durch tiefsten Sand bis zum Sossusvlei, der eigentlichen ‚Senke‘, in der tatsächlich auch Wasser steht – gar nicht mal wenig, es hat, wie bereits mehrfach erwähnt, im namibischen Sommer soviel geregnet wie nie zuvor.
Die Düne, die sich um das Vlei zieht, ist zum Erklimmen auserkoren und wiewohl ich einigen Respekt vor der Kletterei im Sand habe, nehme ich mir vor, bei ausreichend Luft und mit vielen Pausen dieses Ziel auch zu erreichen.
UND ICH SCHAFFE ES!
Nach knappen 40 Minuten bin ich oben und stolz wie Oskar.
Auch Angelika überwindet ihre Höhenangst und schafft es bis auf den Dünenkamm, wo wir ordentlich gefeiert werden.
Der Ausblick ist grandios und wohl kaum zu übertreffen, das schier endlose rote Dünenmeer und der tiefblaue Himmel übertreffen meine durchaus kühnen Erwartungen mit Leichtigkeit und wir verstehen, warum Düne 45 eher uninteressant ist…
Der Abstieg vollzieht sich dann in wenigen Sekunden – entspanntes Joggen im tiefen Sand bis runter in die Senke.
Dort pfeife ich auf wohl auch nicht gegebene Konventionen und gehe mangels Badehose nackt ins Wasser des Vlei. Im algendurchzogenen grünen Wasser schwimmen und dabei das rot-blaue Panorama genießen, ist ein unvorstellbares Erlebnis…
Rein ins Wasser war noch einfach, der Ausstieg ist erheblich komplizierter, im tiefen Schlick ist kaum ein Halt zu finden. Mühevoll gelingt aber auch das und innerhalb weniger Minuten sind wir auch wieder trocken, aufwändig ist nur, in die Klamotten zu steigen, ohne sich Sand und Schlick in dieselben einzutragen (auch mit mäßigem Erfolg geschafft).
Zurück zum Parkplatz geht es wieder sehr hoppelig – wenn man auf der hintersten Bank der Mehrpersonengeländewagen sitzt, hat man den größten Schiffschaukel-Effekt.
Bevor wir zum Sesriem-Canyon weiterfahren, müssen wir den maroden Vorderreifen flicken lassen und gönnen uns ein schönes kaltes Bier. Und ich kaufe mir endlich einen Hut. ‚Sossusvlei‘ ist draufgestickt und wird mich immer an diesen außergewöhnlichen Tag erinnern.

Sesriem (sechs Riemen = 30m – alte Maßeinheit, gemeint sind Riemen vom Ochsenkarren)-Canyon ist eine kleine feine Schlucht, die ich auch runter- und raufgeklettert kriege, wonach ich an diesem Tag auch rechtschaffen platt bin. Wir entscheiden uns aber auch alle gegen einen Aufenthalt zum Kaffee und favorisieren einen direkten Durchstich zur Lodge. Die erreichen wir dann auch am Nachmittag gegen 4 und binnen Sekunden liegen wir im und am Pool.

Kathinka und ich haben besonderes Glück, wir haben ein Vierbett-Zimmer für uns und können uns nach Herzenslust ausbreiten. Wäsche wird gewaschen und es gibt ausgezeichnetes Bier von der Windhoeker Camelthorn Brewery.
Zum Sundown(er) begeben wir uns auf den Aussichtshügel und hätten uns wohl einige Amarula eingeschenkt, wenn Gustav nicht einen spektakulären Sturz hingelegt hätte, bei dem zum Glück für ihn als einziger Totalausfall die Amarula-Flasche zu verzeichnen war.
Die Solitaire Guest Farm wartet mit ein paar besonderen Attraktionen auf: ein zahmer Springbock, der gerne Lesezeichen aus Büchern klaut (und frisst) sowie ein Erdmännchen, das gerne zum Sonnenuntergangsspaziergang mitgeht…
Abendessen geht so, aber die Gesellschaft ist nett und wir gehen dann relativ zeitig ins Bett.
Dieser Tag ist und bleibt mein persönlicher Höhepunkt der gesamten Reise…


sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

3 Kommentare

travellingpete · 19. April 2011 um 08:03

Komme er zum Wesentlichen: Wie haben sich Kamera und Tasche im Sand bewährt, wie stehts um die Zufriedenheit mit Stativ und Kopf? ;-)

    sparta · 19. April 2011 um 08:44

    Zur Ausrüstung und dem ganzen Technik-Krams gibt es zum Abschluss noch ein separates Post.
    Soviel vorab: Keine Ausfälle, Planung und Durchführung haben sich bewährt, Zufriedenheit hoch. :-)

travellingpete · 19. April 2011 um 08:04

Und JFTR: Schöne Bilder, schöne Reise.

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