Letztes Jahr hatte ich die Tour von Calexico mit Iron&Wine verschlafen und keine Karten mehr bekommen.
Das hat mich nicht wenig geärgert. Nach allem, was ich gehört hatte, sind Iron&Wine zwar live weitgehend verzichtbar, aber Calexico genau gar nicht.
Von daher war ich überglücklich, dass sich die Scharte so bald ausbügeln ließ, am 11.07. in der Centralstation in Darmstadt, um genau zu sein.
Die Centralstation, mitten in der City gelegen, ist eine perfekte Location für derartige Unterfangen. Kostenloses Parkhaus (wenn man mit dem Mopped unterwegs ist *hüstel*), McThaiSushiDöner in der Markthalle direkt nebenan, ideale Voraussetzungen, um mit einer ordentlichen Stärkung in den Abend gehen zu können.

Und die würde ich brauchen, über drei Stunden Stehen erwarteten mich und ich hatte gelinde gesagt gehöriges Grauen davor.
Einlass um viertel nach acht, rumlaufen, gutes Plätzchen suchen (Drei Meter von der Bühne weg, passt gut…).

Paul Niehaus kommt persönlich, um seine Gitarren zu stimmen, das ist auch schon ungewöhnlich (anderswo machen das die Roadies…) und dann geht es kurz nach halb zehn auch ’schon‘ los.
Joey Burns und John Convertino glauben kurzärmelig noch an den Sommer (es hat den ganzen Tag geregnet) und ab ‚Sunken Waltz‘ kennt die Begeisterung bei mir keine Grenzen mehr.
Die Band ist diesmal ohne ‚Sonderausstattung‘ unterwegs, also in der sechsköpfigen Kernbesetzung, der Sound ist überragend, druckvoll, aber nie zu laut, jedes Wort wird verstanden und zumindest auf der Bühne ist die Stimmung prächtig.
Nicht so leider im Publikum, das ausgesprochen dröge wirkt und erst zum zweiten Set richtig in Fahrt kommt.
Mir gefällt es trotzdem. ‚Across the wire‘, ‚Quattro‘, ‚Minas de cobre‘ – alles dran, alles drin. Joey erzählt Geschichten über merkwürdige Festivals in Griechenland und ein paar deutsche Brocken fließen mit ein, ‚Roka‘ ist ein echtes Highlight und von mir aus kann es stundenlang so weitergehen.

Meine Füße tun weh, mein Rücken ist das auch nicht mehr so gewohnt, man hat es nicht leicht mit seinen Behinderungen, aber mit ein bisschen Bewegung ist alles zu ertragen.
Wer sich bei Calexico nicht bewegt, ist eh tot und zwar schon länger (siehe Titel ;-) ). Das erste Set wird mit ‚Crystal Frontier‘ beendet, in das Joey zum Ende hin Textzeilen aus ‚Guns of Brixton‘ von The Clash einfließen lässt (ich gestehe, dass ich diesen Text noch am besten hätte mitsingen können…) und jetzt ist wirklich Stimmung in der Bude.
Entsprechend knackig geht es auch bei den Zugaben zu Werke, zuerst kommen nur Joey und John raus und zeigen, was man mit einer Gitarre und einem spärlichen Drumset für einen Aufriss machen kann (meine Herren!) und mit den anderen zusammen gibt es noch einmal 3 Songs und dann ist mit dem frenetisch bejubelten ‚Guero Canelo‘ leider der Abend schon zu Ende.
Auf der Autobahn klingt mir noch „and rode off in the rain“ in den Ohren, viel lieber hätte ich es arizona-like ‚wüstenstaubig‘ gehabt.

Heute spielen sie in Karlsruhe, nächste Woche in Kassel und Erlangen. Geht hin.

Allein Martin Wenk und Jacob Valenzuela sind den Eintritt wert, was die beiden musikalisch zwischen Akkordeon, Keyboard, Vibraphon, Trompete und Hörnern (von der gelegentlichen Gitarre abgesehen) zaubern, ist schon bemerkenswert, einen Drummer vom Schlag John Convertinos habe ich selten gesehen und zu Joey Burns braucht man ohnehin nichts mehr zu sagen. Und wenn wir schon dabei sind, sollen Paul Niehaus (pedal steel) und Volker Zander (bässe…) nicht unerwähnt bleiben, damit hätten wir sie alle.

I live out yonder where the snakes and scorpions run
got myself a little goldmine to bank on
but one day my heart sank when I saw Madame in town
I knew her love would be the death of mine
(L’amour passait, l’amour obsolète.
Pourquoi perdre sa vie à chercher l’or d’un coeur?
Je ne me noierai pas dans ce désert mystique.
Je ferme mes comptes et je repars.)…

the ballad of cable hogue


sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

2 Kommentare

sparta · 13. Juli 2007 um 12:54

Ach ja – auf der Homepage von Calexico gibt es die Setlist der einzelnen Konzerte. Darmstadt ist hier.

July 11th, 2007

1. Chach
2. Across The Wire
3. Jesus And Tequila
4. Sunken Waltz
5. Quattro (w/ Joey on Ukulele)
6. Deep Down
7. Minas De Cobre
8. Roka
9. The Road
10. Gypsy’s Curse
11. Stray
12. Not Even St. Nicks
13. El Picador
14. Alone Again Or
15. Letter To Bowie Knife
16. Crystal Frontier
—————-
17. Scout
18. Windjammer
19. Ojitos Traidores
20. Güero Canelo

Susanne · 18. Juni 2009 um 06:54

Das klingt schon sehr schön. Und wie ich von den Fotos hier sehen kann, war ein echt großes Party..:)

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