Vorgestern abend saßen wir zusammen im ‚Brückenkopf‚ in Hanau und feierten den letzten MKK-Stammtisch mit herrurbach – mein lieber Freund geht nach Berlin zum 03.01. und so waren die Gefühle reichlich gemischt, Vorfreude zum einen, die Begeisterung über die vielen guten Freunde, die gekommen waren und der unweigerliche, tränendurchsetzte Abschiedsschmerz…
Ich liebe dich, mein Freund, du wirst mir unendlich fehlen und ich werde häufig nach Berlin müssen ;-)

Ein guter Aufhänger aber, um einmal das Jahr 2010 ausführlich Revue passieren zu lassen, denn das Jahr wurde zum Großteil durch meine Freunde bestimmt und es war ein unglaubliches Jahr. „So gut?“ wurde ich eben im Chat gefragt.
Gut?
Nein, es war zwar vieles gut, aber ein gutes Jahr sieht für mich anders aus. 2010 war vor allem… intensiv. Ich geh mal durch meine Bilder, Blogbeiträge und versuche mich an den Highs und Lows.
Angefangen hat das Jahr sehr ruhig, im Januar gab es die Weihnachtsfeier der hessischen Piraten für 2009, die den Weg wies für die Entwicklung des Landesverbandes im gesamten Jahr. Großer Zusammenhalt bei durchaus immer gegebenen Differenzen, sehr zielgerichtet und getragen von einem Gemeinschaftsgefühl, das ich einzigartig finde. Nicht nur mein Engagement rührt entscheidend von diesem Sachverhalt her. Außerdem digitalisierte ich Videoaufnahmen und schmiss ca. 300 Videocassetten in den Müll.
Februar.
Wien mit David – wir hatten eine tolle Zeit, geniales Essen in ebensolchen Locations, eine etwas unterkühlte und schneematschige Stadt, immer sehr gute Gespräche und auch das eine oder andere Bier, zum Beispiel mit Wolfgang, war mehr als gut angebracht. Außerdem resultierte aus dem Besuch die nachfolgende Anschaffung des Notebooks, auf dem ich diesen Bericht schreibe, mein heißgeliebtes Lenovo T400s (mit freundlicher Hilfe von Matthias, danke nochmals dafür), also in allen Belangen erfolgreich und bedeutend.
Während der Frühling sich ausbreitete, konnten wir schon vereinzelte Sonnennachmittage genießen – zum Beispiel auf der Musikmesse in Frankfurt, zu der ich mit Sven, Karan und Duke, aka Singvøgel, ging. Zuvor hatten wir den Höchster Stammtisch auf ein neues Niveau gebracht (fast der gesamte Landesvorstand war bereits anwesend) – in gewisser Weise auch wegweisend, denn unser kleiner Stammtisch hat sich über das gesamte Jahr zu einem der regelmäßig erstklassig besuchten und und sehr geschätzten Events in der hessischen Piratenlandschaft entwickelt.
Und dann war da der 75. Geburtstag meiner Mutter. Weder beim Sektempfang, der großen Feier in Frauenstein oder in den kommenden Tagen war zu ahnen, dass die dann um den 19.04. herum diagnostizierte, aggressive Form der Leukämie binnen weniger Tage ihren Tod verursachen würde. Am 30.04. ist sie auf der Palliativstation der Horst-Schmitt-Klinik in Wiesbaden gestorben, bis zum letzten Tag bei klarem Verstand. Alle engen Verwandten und Vertraute konnten noch zu Besuch kommen und sich verabschieden. Bei uns in Frankfurt war sie zuletzt an Kathinkas Geburtstag zur ‚Frankfurter Ente‘.
In der Zwischenzeit hatte sich der Kreisverband Frankfurt der Piraten gegründet, mit Nicole und Stefan fanden sich auch zwei Stützen des Höchster Stammtisches im Vorstand. Mitte Mai dann der Bundesparteitag in Bingen. Auf dem Zeltplatz mit der spontan gegründeten ‚Liga der außergewöhnlich besoffenen Gentlemen‘ war es ja durchaus unterhaltsam, die Wahlschlacht, die den Parteitag über zwei Tage komplett auslastete, gehörte zu den minder amüsanten Teilen des Lebens.

Langsam driften wir in den Sommer, der beste Nachbar der Welt wurde 70 Jahre alt, grillen, in der Sonne liegen, auf dem Schlossplatz im Warmen seinen Äppler trinken…
Außergewöhnlich der Grillevent mit Elmi und Melanie Anfang Juni, vor allem der gigantischen und überragend leckeren T-Bone-Steaks wegen, aber auch die diversen Rieslinge, Chardonnays und Grauburgunder, die ich geerbt hatte, bereiteten viel Freude.

Katrin machte ihr Abitur, die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika lief, Fernsehglotzgemeinschaften mit Stefan, Nicole, Chili, Richie und Matthias wurden spontan geformt, Kathinka kaufte sich ein Auto, die ersten Planungen für die Wohnung in Wiesbaden wurden gemacht und ich verkaufte meine heißgeliebte VFR.
Tags darauf holte ich mir (m)eine Ducati Hypermotard 1100 und bin in der Folge mehr Motorrad gefahren als in den letzten zwei Jahren zusammen.
Neue Reifen und Besuch bei meiner lieben Freundin Dany, die dieses Jahr böse gebeutelt wurde mit einer nervigen Erkrankung an den Armen, die gerade den Gebrauch unserer sonstigen Kommunikationstools Computer fast unmöglich machte, die Entdeckung von ausgezeichneten Merguez bei Aldi und die dadurch bereicherten Grillereien, der übliche Sommer-Regenfass-Spaß, ein paar Kurztrips in den Rheingau (Hurra, ich habe wieder ein Wochendhaus1), bevor es zum Spontan-Urlaub nach Kiel ging.

Kaum zurück, versuchte irgendein Volltrottel, bei uns einzubrechen und hätte es auch beinahe geschafft, allerdings ist mein Schlaf am Sonntag morgen um 7:00 Uhr nicht sooo tief, so dass ich ihn verscheuchen konnte. In der Folge verursachte der Mensch einen ziemlichen finanziellen Schaden, denn wir kümmerten uns mal gehörig um die Sicherheit unserer Behausung.
August schon. DubFX in Heidelberg, ein toller Abend mit beschissenem Sound und tomate, senficon, Dany, Sven und Karan. Und mein einziges doch nur zweitbestes Konzert in diesem Jahr. Es war definitiv eher eines für die Sachen aus der Konserve but for both ways the best was yet to come.

Seit ein paar Wochen hatten wir uns auf dem Stammtisch Gedanken um die Besetzung des künftigen Landesvorstandes der hessischen Piraten gemacht und mehrfach war der Wunsch an mich herangetragen worden, für den Generalsekretär zu kandidieren, wozu ich mich dann letztendlich nicht nur bereiterklärte, sondern auch mit ein wenig Druck diese Kandidatur durchzog.
Katrin wird in Mainz studieren und in der Schiersteiner Wohnung wohnen, zusammen mit Jens, der nach seiner Zivildienstzeit wieder einen guten Job fand. Dazu musste die Bude entrümpelt werden, was nicht nur zwei LKW-Ladungen ausmachte, sondern auch wenig billig war. Am Vortag des Umzugs hatte ich mich mit Helmut zusammen ein wenig im Rheingau beschädigt, was nicht nur der genialen Moppedtour zur Anreise wegen einfach super war – der Abend mit den gut gekühlten Rieslingen auf der Terrasse hatte etwas Außergewöhnliches! Und der tolle Besuch am selbigen Tag mit Sauna und so viel mehr.
September: Leonard Cohen auf dem Bowling Green in Wiesbaden!
Welch ein fantastisches Erlebnis für uns, ausführlich hier.
War irgendwie verdrängt …
Kathinka und ich machten einen Kurztrip nach Rothenburg, ich begann, Stammtische zu Wahlkampfzwecken abzufahren, meist in Begleitung meiner ‚Relativierungsbeauftragten‘ senficon, die sich nicht nur bereit erklärt hatte, als Sprachrohr zu fungieren, wenn mich meine Behinderung zur Ruhe zwingt, sondern auch sonst zu einer sehr guten Freundin geworden ist.
Unser Haus muss schöner werden – das bisherige Kinderzimmer wurde wieder zum Gästezimmer mit Hilfe des in unserem Auftrag dann vielbeschäftigten Raumausstatters.
Kreisparteitag in Frankfurt zur Kommunalwahl-Kandidatenaufstellung, om10 in Kassel und dann der Landesparteitag in Froschhausen. Da mir zuletzt die Gegenkandidaten ausgegangen waren, wurde die Wahl ein wenig einseitig, aber jedenfalls bin ich seither Generalsekretär des hessischen Landesverbandes und habe ausgesprochen viel Freude an der Arbeit und an meinen tollen Vorstandskollegen. Bisher ist es uns gelungen, den guten Ruf des hessischen LV zu erhalten und das soll bitte auch so bleiben. Musikalisch machten sich auf der Anlage und im Auto die ‚Mountain Goats‘, ‚Kwoon‘, ’30 Seconds to Mars‘ als mir bislang Unbekannte breit. Und die ‚Antlers‘. Hach.

Als nächstes stand dann die Umgestaltung des ‚Herrenzimmers‘, meines künftigen Piraten- und Coaching-Büros im 1. Stock unseres Hauses an. Anfang November angeschubst wurde der Raum mit der Installation der 5.1-Anlage vorläufig finalisiert und der nicht nur bei diesem Ereignis unersetzliche Freund herrurbach half dann auch bei der feierlichen Einweihung mit einem Glas Cognac unter Herren.
Next: Bundesparteitag in Chemnitz.
Seither geht alles in ruhigere Gewässer, zwar wirft piratenseitig die Kommunalwahl 2011 schon einen immer längeren Schatten, aber gleichzeitig haben wir einen großen Urlaub in der ersten Jahreshälfte geplant. Vorfreude!

Das ‚Verfügungszimmer‘ ließen wir noch renovieren, das Küchenfenster wurde vergittert und auf der Terrasse liegt der neue Rosenobelisk für seine Installation im Garten, wenn es mal nicht mehr so elend kalt und zugeschneit ist.
Und dann war schon wieder Weihnachtsfeier, diesmal die für 2010 :-)
Einen stimmungsvolleren Jahresabschluss hätte es IMHO kaum geben können, bis morgens um 5:00 Uhr haben wir getrunken, geredet und Spaß gehabt.
Jetzt ist aber weiter dunkel und der Winter ist schon jetzt zum Jahreswechsel reichlich hart. Wir sind gespannt, wie der ‚Terrorwinter‘ weitergeht, vor allem wie lange.
Außerdem ist im Januar erst mal stammtischfrei, so dass Zeit zum Nachdenken bleibt. Denn wenn auch im Rückblick vielleicht nicht so viel von dem eingangs erwähnten ‚intensiv‘ zu spüren war, hat sich doch auch über den Todesfall hinaus so manches unter der Oberfläche ereignet, das auch nicht alles thematisiert werden kann. Es gab Trennungen, Krankheitsfälle, Depression, Glück, Freude und Begeisterung – einiges davon ging an uns vorüber, in manchem steckte ich bis zum Hals drin und es war nicht immer einfach.
Auf der anderen Seite stehen neben meiner unschätzbar tollen Frau <3 und (weit mehr als nur eine) Tochter die guten Freunde, die für mich da waren und mir erlaubten, für sie da zu sein. Ein paar sind mir gerade in diesem Jahr so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mich frage, wie ich es so lange ohne sie ausgehalten habe :-).

Auch wenn sie schon im Text erwähnt wurden, hier nochmal ein besonderer Dank an Euch (Reihenfolge ohne Relevanz): Helmut, Stefan, Nicole, Jens, Patricia, Matthias, Silke, Tim, Kai, senficon, David, Dirk, tomate, Sven, Phillip und Wolfgang.

Show 1 footnote
  1. Die Wiedergeburt des Palais Sparta, hier noch nicht zu ahnen, aber schau mal 10 Jahre später…

sparta

Antifascist. He/His. Get vaccinated. Wear a mask. Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963. Change is constant.

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