Das Ausprobieren von Neuem macht schon Spaß. Noch mehr Spaß macht es, wenn das Neue nicht vorher teuer bezahlt werden musste, sondern einfach so verfügbar ist.
Den Auslöser für den Schritt hin zu Linux gab übrinx die Newsgroup uk.rec.motorcycles, in der sich einer der Schreiber fragte, wie er wohl am besten auf Linux umstellen könne und die Antwort lautete: Ubuntu herunterladen, auf CD brennen, CD einlegen, den Anweisungen folgen.
Das wollte ich auch mal ausprobieren.

Und es ist tatsächlich genauso einfach, zumindest für den ersten Start, die ersten Schritte.
Natürlich muss man sich Gedanken machen, wie man seine Festplatten aufteilt und sich vor Augen halten, dass nicht notwendigerweise alle Hardware sofort und reibungslos funktioniert, manches vielleicht überhaupt nicht tut.
Es gilt aber vor allem, ein eigenes Nutzerprofil zu erstellen, die Lieblingsanwendungen und die Notwendigkeiten am und im Rechner zu eruieren und dann genau zu vergleichen, mit welchem Betriebssystem man glücklich wird, klarkommt, keine Zukunft sieht ;-)

Ich brauche den Rechner hauptsächlich fürs Schreiben und Lesen, Informationsbeschaffung und -auswertung und Musik (hören und bearbeiten). Das muss alles machbar sein, also ist ein gutes Mailprogramm, ein ordentlicher Newsclient, irgendwas, was mit iTunes vergleichbar ist und eine gute Office-Suite die Pflicht. Letzteres ist kein Problem, OpenOffice nutze ich schon seit Jahren, besser, billiger und irgendwie wesentlich pfiffiger als MS Office.
Mail hat eine Weile gedauert, aber Claws erfüllt genau die Zwecke, die ich brauche. Es fehlen ein paar liebgewonnene Funktionen von der bisher genutzten Fledermaus, dafür finden sich andere (z.B. die überaus simple Integration von RSS-Feeds). Da The Bat! nicht kostenlos ist, lassen sich leichte Funktionseinschnitte verschmerzen.
News sind ein Problem. Knode ist ein guter Newsreader, aber ohne offline-Funktionalität. Trotzdem benutze ich ihn (noch). PAN ist von der Oberfläche durchaus gelungen, aber hat gravierende Fehler im Handling von Follow-Ups. XPN ist prinzipiell genau das, was ich haben will, stürzt aber permanent ab und erscheint überaus ‚buggy‘ – vielleicht später mal…
Ein Programm von der eierlegenden Wollmilchsau-Qualität wie z.B. der 40tude Dialog fehlt. Das wäre mal ein Knaller, wenn es sowas unter Linux gäbe.
Allerdings ist das Usenet wohl mittlerweile eine Nische, die nicht mehr soviel Aufmerksamkeit bekommt.

Musik: Die RythmBox ist genau das, was ich an Musik-Player brauche, Handling für große mp3-Verzeichnisse, eingebautes last.fm-plugin (es gibt aber ein wesentlich Besseres als das Originale), Suchfunktion, individuelle Wiedergabelisten.
Der Rest: Keepass für die Passwort-Verwaltung, GIMP für die Bildbearbeitung, Skype tut eh, Pidgin für den Chat und so weiter. Geht alles. digikam funktioniert super mit der kleinen Canon und Wammu für die Handy-Synch gefällt auch. Truecrypt (mit gutem GUI nebst hervorragender Anleitung) ist eh super.

Hardwareprobleme: Die Webcam von Tchibo lässt sich nicht zur Kooperation bewegen. Die Graphikkarte (ATI) ist nicht ganz problemlos. Soundkarte (Terratec Aureon 5.1 Fun) ist eine Katastrophe, kein 5.1 Sound (dafür habe ich aber die bezaubernde Teufel-Anlage, das muss!). Die habe ich also fix rausgerupft und durch eine (im Haus vorhandene) Creative Soundblaster Audigy ersetzt. Wird sofort erkannt, Sound ist super und kommt auch aus allen Lautsprechern ;-)). Die Graphik ist zu guter Zusammenarbeit bereit, ausgezeichnete Ergebnisse erreicht man mit ein paar Tricks, bei denen man sich aber auch prima in den Fuß schießen kann.

Zum Lauf: Nach Installation läuft das Programm von vorneherein sehr stabil, durch die vielen Eingriffsmöglichkeiten und die vorhandene Inkompetenz lässt sich das natürlich problemlos ändern. So habe ich es locker geschafft, mich irgendwann komplett von Maus und Tastatur zu trennen, was die Kommunikation mit der Maschine etwas problematisch machte.
Aber bevor ich lange rummache, installiere ich es einfach nochmal drüber, die Anwenderverzeichnisse bleiben erhalten, Datenverlust gibt es nicht, wenn man sich nicht allzu doof anstellt und zum Zeitaufwand habe ich ja erst geschrieben, das ist vernachlässigbar.

Die Netzwerk-Einbindung war nicht ganz ohne, aber nicht nur hier hat sich die Community als unglaublich hilfreich erwiesen. Es gibt wirklich zu jedem Bug und Ding einen Trick, ein Workaround oder eine gute Bedienungsanleitung. Die Konfiguration und der Betrieb eines Samba-Servers war dann mit WEBMIN auch kein Problem und macht Lust auf mehr.

Druckereinbindung funktioniert ausgezeichnet, HP-Drucker sind von Vorteil, wenn man Linux benutzt.

Grundsätzliche Recherche-Begabung und -Freude vorausgesetzt, kann man nahezu jedes sonstige Problem mit Hilfe der einschlägigen Foren und Wikis lösen.
Prominent genannt seien:

ubuntuusers

Einen besonderen Dank an meinen guten Freund Wolfgang, der nicht nur werbend sondern vor allem hilfreich unterstützend, fachlich hochkompetent und unendlich geduldig dieses ‚Projekt‘ begleitet hat.

Kategorien: alltagweb

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

3 Kommentare

wjl · 28. November 2007 um 19:36

Peter> „Die Webcam von Tchibo lässt sich nicht zur Kooperation bewegen.“

Ist das die mit dem PAC7311 Chip – also Ausgabe von ‚lsusb‘ zeigt sowas wie: Bus 001 Device 002: ID 093a:2600 Pixart Imaging, Inc. ?

Das sollte inzwischen gelöst sein. Guck mal unter http://www.kaiser-linux.li/index.php?title=PAC7311 – da bekommst Du die Sourcen.

Und danke für die Blumen…

Gruß,
Wolfgang

sparta · 28. November 2007 um 19:57

Jahaaa – da war ich auch schon, das habe ich auch schon probiert und mir diverse Wölfe installiert und gemacht und getan.
Ergebnis: Null. Die Camera wird noch nicht mal gefunden, es kommt erst gar kein Bild.
Da werde ich wohl nicht mehr aktiv, das hat schon zuviel Zeit (absolut sinnfrei) gekostet.

wjl · 30. November 2007 um 13:11

Ok – ist mir gestern genauso passiert. Ich habe die aktuelle Aldi-Cam (Medion) mit Headset für 18 Euro ausprobiert, und lsusb meldet:

Bus 002 Device 009: ID 0c45:624e Microdia

Das Ding ist nicht unterstützt – also wird es zurückgegeben. Selber Schuld, wenn sie kein Geld verdienen wollen.

Gruß,
Wolfgang

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