Inzwischen brauchen wir schon unsere Nachbarn, damit sie uns an die Geschehnisse vom 24.04.2004 erinnern. Wir selbst scheinen dem Datum eher wenig Bedeutung zu zumessen.

Über eines habe ich mir dennoch Gedanken gemacht und will das gerne hier im Blog sehen.

2007 habe ich mich hier zur Thematik unseres Unfalls ausgelassen – aus gutem Grunde bewusst und gezielt etwas depressiv gestimmt im Tenor. Seinerzeit habe ich sehr viel Feedback bekommen, darunter auch einen Kommentar, den ich nicht veröffentlicht habe (ist ja keine Plattform für die Anonymen Anonymlinge hier).

<aushol>

Viele kennen mich nicht im sogenannten Real Life, sondern lesen nur meine Artikel im Usenet. Dort lege ich mich gerne mal mit Leuten an, wenn sie nach meiner Ansicht Unsinn von sich geben – was denen verständlicherweise selten behagt und mir nicht nur Freunde beschert.
So mancher sucht mich dann als Reibefläche.
Da habe ich auch überhaupt nichts dagegen, wenn sich in der Folge mal anonyme Pöbler auslassen, kriege ich das entweder nicht mit oder habe meinen Spaß.

Teilweise artet das aber auch in eine Art Stalking aus, wenn solches Pack Leute dann Schmähkommentare in mein Blog posten (wollen).

Besagter anonymer Schreiberling teilte mir also mit Bezug auf meine Behinderung mit: „Es trifft schon die Richtigen“.
Gemeint war wohl eine Art biblisches Bestrafungsszenario, das ergab sich aus dem übrigen Text, der nach ‚geschieht dir Recht, das ist die Strafe für dein frevlerisches Tun‘-Prinzip aufgebaut war – wenn ich mich recht entsinne, war auch noch was in der Art ‚gehe in dich und bereue‘ mit dabei, jedenfalls war es in der Gesamtheit sehr lustig.

Nun interessiert mich sowas eigentlich nicht und es ist auch nicht schwierig, sich solchen Ballastes zu entledigen. Eines ist mir aber aufgefallen:

Es hat genau den Richtigen getroffen.

Ohne zu ahnen, wie unbewusst richtig er liegt, hat der Anonymling den Punkt getroffen:

Nicht jeder kann wohl mit einer solchen persönlichen Katastrophe so gelassen und optimistisch umgehen, wie ich das tue. Erzählt mir zum Beispiel meine HNO-Ärztin ständig, für die ich – nicht von der Symptomatik, aber von der Art, damit umzugehen – eine absolute Ausnahme bin.

Mein gesamtes Umfeld gibt mir ähnliche Rückmeldungen, auch die vielfach geäußerte Verwunderung bezogen auf den depressiven Unterton meines Vorjahresartikels zeigte mir das deutlich.

Hinzu kommt, dass ich aufgrund meines Stoffwechsels nicht ansetze, egal, wieviel ich futtere und egal, wie wenig ich mich bewege – da ich seit vier Jahren kaum mehr Sport mehr treiben kann und zu einem Großteil der Zeit zum Nichtstun verdammt genötigt bin, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auch in dieser Hinsicht bin ich also der ‚Richtige‘ für eine solche Behinderung.

Last but no least habe ich schon immer viel Spaß daran gehabt, in unserem wunderschönen Haus und Garten soviel Zeit wie möglich zu verbringen, mit einem Rechner und dem Internet wird mir eh nie langweilig – also bin ich einmal mehr der Richtige.

Wieder was gelernt: Selbst der dümmste Troll kann richtig liegen – auch wenn er es noch so anders meint.


sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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