… ist der Wecker ein weiteres Mal, diesmal ist es 6:15 Uhr. Und das soll Urlaub sein…
Vor allem, wenn mit Abholen der anderen, Schwätzchen halten und so weiter soviel Zeit vertrödelt wird, dass es bis knapp 8:00 Uhr dauert, bis wir Agadir in Richtung Hohen Atlas verlassen.
Der Verkehr ist sehr unterhaltsam, es wird ohne Unterlass gehupt, um sich bemerkbar zu machen, aber die gegenseitige Rücksichtnahme ist doch groß. Wenn jemand im Weg steht, steht er halt im Weg. Kismet.
Ich sitze vorne, Kathinka hinter mir neben Editha und Joe aus Kassel, mit denen wir uns gut verstehen. Zuerst ist die Straße anderthalb Autos breit, im weiteren Verlauf noch autobreit, dann ist ohnehin länger nichts mehr straßenartiges da.
Auf den Passstraßen geht es teilweise mehrere 100m steil bergab (selbstverständlich existieren keine Randbefestigungen…) und Editha bekommt leichte Zustände bei der zügigen, aber immer sicheren Fahrweise unseres einheimischen Fahrers. Die Landschaft ist atemberaubend schön, die schattigen Oasen und Flußtäler kontrastieren mit kahlen Berghängen, Thuja-bewachsenen Geröllfeldern und schroffen Felsstürzen, an denen die Gebissspuren der Bagger zu erkennen sind, die dem Gebirge die schmalen Wege abgetrotzt haben.
Wir können uns kaum satt sehen.
Die Menschen der Region leben unter einfachsten Verhältnissen, Amaziri (Freiheit) nennen sie sich selbst, Berber ist der ihnen auferlegte Name, wohl nicht ganz so negativ wie Inuit und Eskimo, aber definitiv nicht ganz frei gewählt. Unser Führer Asisi (wie der heilige Franz von) gibt interessante Einblicke in das ländliche Leben und die regionalen Besonderheiten, Arganöl, Dattelhonig, Oliven im Einzelnen und die marokkanische Gastronomie im Besonderen.
Wären wir auf uns selbst gestellt, kämen wir vor lauter Fotografieren wohl kaum von der Stelle, aber unser aufmerksamer Fahrer hält auch bereitwillig und an ausgewählten Stellen an, kaum, dass wir die Kameras in Anschlag bringen.
Wir stoppen zuerst oberhalb einer Oase und viele Kinder versuchen, uns wasauchimmerfüreinenkram anzudrehen – das passiert bei jedem Halt, aus dem Nichts tauchen sie plötzlich auf. Der zweite Halt dient der Besichtigung eines Berberhauses mit allen Details, ‚interessanter‘ Kücheneinrichtung und Tieren en masse, Hühner und Ziegen leben ebenso in ihrem Bereich des Hauses, wie sich auch ein Werkraum für die Ölmühle und -presse findet. Ein kleiner Imbiss schließt sich an, gereicht werden Pfefferminztee, Brot und 4 typische ‚Dips‘, Olivenöl, Dattelhonig, Arganöl und eine Mischung letzterer beider mit geriebenen Mandeln (sehr lecker!).
Der Honig ist so gut, dass er selbst mir schmeckt und ich bin für Honig normalerweise überhaupt nicht zu haben. Nach einem kurzen Halt an Wasserfällen ohne Wasser erreichen wir Immouzzer, ein kleines Dorf, wo uns zuerst ein lokaler Markt erwartet und hernach ein Bergritt auf Eseln. Auf dem Markt schaffen wir dämlichen Touris es tatsächlich, einen Händler _hoch_ zu handeln, so geht es einem, wenn man nicht zwischen fünf und fünfzig unterscheiden kann.
Egal, so haben wir für ein Pfund Datteln halt einen Euro gezahlt, das tut nicht weh. Ansonsten ist der Markt sehr eindrucksvoll, die Menschen, die Gerüche und das Schlachthaus vor allem…

Jetzt geht es aber bergwärts auf Esels Rücken. Meiner ist leider tiefer gelegt, weswegen meine Füße mehr oder minder ständig auf dem Boden schleifen. Außerdem brennt mir der Hintern, was der Sattel an Dicke vermissen lässt, macht der Esel mit Spitzigkeit seines Kreuzes mehr als doppelt wett…
Aber auch solche Belastungen bringen wir souverän hinter uns, allemal besser als laufen, das hätte ich wohl von der Atmung her nicht gut verkraftet. Das darauffolgende Essen in einem wunderschön gelegenen Restaurant schmeckt hervorragend. Nach dem Essen ist dann auch schon die Rückfahrt angesagt, noch einen Zwischenhalt gibt es, im „Vallée du paradis“ , das seinem Namen alle Ehre macht. Wir spekulieren über einen möglichen Altersruhesitz daselbst.
Ein paar Serpentinen später sind wir dann schon wieder in Agadir. Dass die Hälfte aller Marokkaner unter 20 Jahre alt sind, glauben wir sofort angesichts der Massen an Jugendlichen, die um halb vier aus dem ortlichen Collége strömen, ohne Vorbehalte.

Kategorien: familiekulinaria

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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