Sehr geehrte*r Peter Wenz,
vielen Dank für Ihre Anmeldung zur kostenlosen Corona-Schutzimpfung. 
Hiermit erhalten Sie:
– Ihre beiden Termine für Ihre Erst- und Zweitimpfung zum Schutz vor dem Corona-Virus
– Aufklärungsmerkblatt- Anamnese- und Einwilligungsbogen.


Am 13.04. erhielt ich diese E-Mail und sie ist schon jetzt mein Schriftstück des Jahres. Die Erleichterung…

Mitte Februar hatte ich meinen Hausarzt kontaktiert, um zu eruieren, ob meine ärgerliche Behinderung wenigstens für eine Eingruppierung in die Priorität 2 der zu Impfenden ausreicht.
„Dazu brauchen wir erst mal einen Arztbrief oder etwas ähnliches.“
Daran soll es nicht scheitern, ich habe einige Festmeter Papier und noch mehr Megabyte Daten, die da weiterhelfen können.
Und tatsächlich war dann nach zwei Wochen und ein paar Anrufen (‚Der Doktor hat da ganz viel dazu geschrieben…‘) das eher dürre Zertifikat wie untenstehend in meinem Besitz und damit habe ich mich dann auch zu unchristlicher Zeit auf die Webseite des Service-Team-Impfen des Landes Hessen gewagt. Zu den Stoßzeiten ging es in den virtuellen Wartebereich für einen Aufenthalt von unbekannter Länge. Ich hatte die Anmeldung aber schnell durch.

Danach war längeres Schweigen. Bis der Impfstoff von Astra-Zeneca gestoppt wurde und mir mitgeteilt wurde, dass es jetzt vermutlich dauert, weil nichts genaues weiß man erst mal nicht.
Aber dann die Mail. Große Aufregung und Freude.
„BionTech/Pfizer, das ist ja schön, gar keine Diskussion wegen Vektorimpfstoff.“
„Was zieh ich bloß zur Impfung an1
„Wie, nicht mal ein Bier zur Feier des Tages danach?2

Unterlagen ausdrucken, Anamnesebogen ausfüllen und dann am 23.4. um viertel nach sechs abends zur Festhalle, in Begleitung von Kim – eine Begleitperson ist okay. Sagt der Zettel.
Was anderes sagt die Security. „Das ist erst letzte Woche geändert worden, jetzt dürfen sie nur noch mit Begleitperson rein, wenn sie über 70 sind.“
Okay, damit kann ich wirklich nicht dienen.
Kim wartet also im Eingangsbereich zur Messe und ich beginne meinen Behördengang, denn vor die Nadel haben die Götter der Impfzentren ein Reihe von Aufgaben gesetzt.
Die Einladung, der QR-Code darauf sowie der Personalausweis werden gecheckt und ich bekomme einen Laufzettel mit zwei Codes.
Security hier, Security da, Dokumentencheck, Dokumentenscan, zwischendrin langer Marsch bis zur Festhalle. Wartezone vor den Impfkabinen, dann Warten vor der Impfkabine. Reingerufen werden, kurzer Chat, Nadel in den Arm, dann an der anderen Seite raus und in den Wartebereich. Nach 15 min. wie empfohlen oder wenn eins keinen Bock hat, geht es dann zur Dokumentation und zum Abschluss zum Arzt, der im Impfpass unterschreibt. Alles in allem rund eine Stunde, dann ab nach Hause.
Am nächsten Tag ein wenig müde, aber sonst genau keine Impfreaktion.
Zweiter Termin am 4.6., im Prinzip alles gleich, nur viel schneller, auch wenn es gleich an der ersten Station einen Lacher gibt. „Den Anamnesebogen müssen sie leider nochmal komplett ausfüllen. Im ersten steht drin, dass sie noch keine Covid-Impfung hatte, das stimmt ja jetzt nicht mehr, ne?“
Ja, is klar. Deshalb vergessen wir auch gleich den Namen und die Anschrift und den ganzen anderen Mumpitz, der sich geändert hat. Nein, ich bin in der Zwischenzeit auch nicht schwanger geworden.

Sehr nette Unterhaltung mit der Security im Wartebereich vor den Kabinen und Live-Saxophon-Musik vom Rang. Mein Pride-Hemd findet großen Anklang bei Ärztin und MTA, den Wartebereich danach schenke ich mir und bin in weniger als einer halben Stunde mit allem durch. Das war auch nicht unclever, denn ich schaffe es gerade noch rechtzeitig vor dem Gewitter nach Hause.
Diesmal haut es mich in den folgenden Tagen ein wenig heftiger um, aber außer Müdigkeit, genereller Erschöpfung und extremem Nachtschweiß ist nichts. Kein Fieber, keine Gliederschmerzen. Ich bin sehr zufrieden.
Jetzt noch zwei Wochen, dann sollte der volle Impfschutz erreicht sein.


Show 2 footnotes
  1. Tank-Top und Hemd mit Druckknöpfen – wie so’n Stripper. Ratzfatz ist der Arm frei!
  2. Schon. Aber nur alkfrei

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

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