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23.02. Long ride to Otavalo
04:35 h ist eigentlich das Gegenteil von Urlaub, das hilft uns aber wenig bei unserem anspruchsvollen Tagesprogramm und so klingelt der Wecker tatsächlich um diese Uhrzeit und wir machen uns reisefertig. Kein weiteres leckeres Frühstück im Yellow House *seufz*. Stattdessen wird der erste Stopp nach knapp zwei Stunden nur so trist, wie die Ecuadorianer halt ihre Gastronomie pflegen – Hefeteiggebäck (Bizcochos), das nach Zwieback schmeckt und langweilig-bröselig ist, heiße Schokolade, leider kalt, Instant-Kaffee und Kräutertee.
Obwohl mir saukalt ist, bestelle ich von diesen Köstlichkeiten lieber nichts und harre der Dinge, die da kommen.
Das Wetter ist schlecht, die Wolken hängen tief und wir befürchten, dass der kurze Ausblick am Montag abend auf den Cotopaxi das einzige war, was wir hier von Vulkanen zu sehen bekommen werden1.
Die Strecke verläuft von Mindo genau nach Quito, wie wir auch gekommen sind und dann auf der Panamericana in Richtung Otavalo.
Wir fahren durch diverse Ortschaften, die immer gleich aussehen. Unverputzte, hässlich-quadratische Einheitsbauten auf ungepflegten Grundstücken, lieblos in die Landschaft geknallt, verblassende Inschriften oder alte Reklametafeln, weitgehend Tristesse. Nahezu jedes Grundstück hat ein paar Maispflanzen, so dass die Ortschaften wenigstens ziemlich grün sind *g*.
Die hässliche Bebauung erklärt sich mit der Geselligkeit der Ecuadorianer, deren Leben in aller Regel draußen stattfindet. Ins Haus geht man zum Schlafen und wenn es regnet, ansonsten sind die Menschen immer vor dem Haus anzutreffen.
Auf der Straße ist es somit umso bunter, auch die Verkehrssitten sind sehr gewöhnungsbedürftig, blind in die Kurve überholen gehört auch für LKW zum normalen Verhalten, die Anzahl der Verkehrstoten ist laut Heike entsprechend.
Gegen zehn erreichen wir den Cuicocha-Krater auf rund 3.000 m Höhe. Der Weg zum Kraterrand ist sehr steil und am Kraterrand entlang geht es auch treppauf, aber mit Ruhe und Gelassenheit meistere ich auch diese Herausforderung – immerhin soll es ja nochmal fast 2.000m höher gehen im Verlauf der Reise.
Am Kraterrand wachsen diverse Orchideen und Bromelien, Kathinka ist also mit dem Makro zugange, während ich für Landschaft zuständig bin.
Der Kratersee ist aufgrund der immer noch aufsteigenden Gase fischfrei, nur ein paar Blesshühner ziehen ihre Bahn auf der spiegelglatten Wasseroberfläche.
Es geht weiter nach Otavalo, aber davor sind wir in Peguche zu Gast in einem Projekt für alleinerziehende Frauen (häusliche Gewalt etc), die in traditioneller Handarbeit Stoffe herstellen, von der frischen Schur bis zum Endprodukt (Schals, Tischtücher und dergleichen).
Sra. Matico erläutert uns eingehend die lokale Tracht, die neben einer knöchellangen Bluse aus verschiedenen Tüchern besteht, die sich vom Rock über Umhang, Rucksack, Kopftuch bis zum Hut in wenigen Handgriffen verwandeln lassen. Diese ‚Modenschau der anderen Art‘ begeistert nicht nur die vielen Frauen in unserer Gruppe, auch Haci und ich sind von der würdevollen, eleganten Frau und ihrer lässig-amüsierten Art hingerissen.
Die fast zahnlose ‚Mama‘ Dolores verrichtet anschaulich diverse Gewerke aus der Textilherstellung vom Wolle zupfen, handspindeln und Vlies kämmen, aber auch Maismehl reiben – durchweg schwere und kraftraubende Tätigkeiten. Die beiden älteren Damen haben jedenfalls einen Haufen Fans in uns, vor allem nachdem alle reihum sich mal an den oben beschriebenen Tätigkeiten versuchen und erkennen, welch mühevolle Plackerei das ist. Von daher kaufen nahezu alle Produkte aus der Projektarbeit. Kathinka findet einen wunderschönen Schal und ich in der Folge auch – ist bestimmt auch der eher unfreundlichen und kühlen Witterung geschuldet :-)
Zum Mittagessen sind wir in Otavalo und lassen uns neben dem Handwerks-Markt ein grandioses Mittagessen aus Steak in Pfeffersauce (ich), bzw. Filet Mignon (Kathinka) schmecken.
Okay, die Frage, ob Kathinka ihr durchgebratenes Stück Fleisch ‚medium‘ haben wollte, war entbehrlich, aber sei’s drum ;-)
Im Anschluss bummeln wir über den Markt, widerstehen der Versuchung, eine Hängematte zu kaufen und bleiben bei den Alpaca-Pullovern hängen, Kathinka verguckt sich in einen, der aber leider in ihrer Größe nicht zu haben ist, mir würde er schon passen…
Sie findet dann aber einen anderen, ebenfalls wunderschönen und beim Preis von 25,00 $ wollen wir eigentlich nicht handeln, das ist nahezu geschenkt. Letztendlich gehört er ihr für 20,00 und deshalb‏ kaufen wir den anderen von vorher für mich auch noch – für denselben Preis.
Dergestalt gut für kältere Witterung ausgestattet genießen wir die lange Rückfahrt nach Sangolqui zur Hosteria Sommergarten, dem Resort unseres Reiseveranstalters.
Die Hosteria ist ein wirkliches Kleinod, wunderschön gelegen, mit einer tollen Parkanlage, riesigen Zimmern mit Willkommens-Obstkorb (mit persönlicher Nachricht) und nahezu allem, was das Herz begehrt.
Das Abendessen mit Shrimps ist sehr lecker und zur guten Nacht gibt es noch eine Wärmflasche für jeden – herrlich :-) Wir schlafen super, die Aussicht auf einen entspannten Tagesbeginn mit Abfahrt nach Quito um 10:00 Uhr tut dafür einiges…

24.02. Quito – The big city
Wenn man um neun Uhr pennt, ist man um sieben meistens wach und so geht es uns auch. Ein wenig mit den Lieben zuhause chatten, ein paar Bilder zu Facebook hochjagen, gemütlich frühstücken und noch ein paar Minuten in der Sonne sitzen – so kann ein Urlaubstag anfangen.
Um 10:00 Uhr holt uns Javier, unser guter und zuverlässiger Fahrer ab – mit neuem Bus. Luxus!
Den wollen wir jetzt weiterhin haben.
Es geht nach Quito hinein, an einen Aussichtspunkt zuerst, leider ist es diesig und die Bilder leiden darunter, aber ein erster Eindruck der Ausdehnung dieser riesigen Stadt ist schon drin.
Als nächstes muss ein Besuch der Basilika sein (katholisches Land, 18 Kirchen allein nur in der Altstadt…), ich brauch’s nicht, aber anschauen kann man es sich ja mal.
Danach fahren wir zur Marienstatue hoch und der Blick von dort ist (obwohl immer noch diesig) überwältigend. Welch ein Moloch!
Der Verkehr ist apokalyptisch und während wir uns hinterher den Weg durch die Altstadt bahnen, ist viel Zeit zum Fotografieren und Staunen.
Wie besichtigen die Jesuitenkirche, in der man keine Bilder machen darf (hahaha) und die scheinbar nur aus Gold besteht. Abartiges Bauwerk irgendwie… innendrin.
Aber das Wetter wird immer besser, leider haben wir keinen Aussichtspunkt mehr auf der heutigen Tour…
Wir gehen erst mal was futtern und zwar im erzbischöflichen Palais in einem wunderschönen Innenhof, Kathinka bestellt sich eine Fanesca, eine normalerweise zu Ostern gereichte Suppe mit Fisch und allem möglichen sonstigen Kram drin. Sehr reichhaltig. (Käse, Ei, Bananen, Fisch, Rahm, Paprika, alle Hülsenfrüchte wo gibt)
Ich halte mich an die ecuadorianischen Sitten – morgens, mittags, abends Fleisch. Heute ist es Carne y Chuleta im Rahmen einer Menestra mit Bohnen und Reis. Lecker.
Dann geht es in die Franziskaner-Kirche, die ähnlich bunt und gülden ist wie die Jesuitenkirche.
Auch nicht meins, aber in so einem katholischen Land kommt man kaum drum herum.
Die Altstadt von Quito ist mittlerweile sicher, nachdem es vermehrt zu Überfällen und Taschendiebstählen gekommen war – allerdings kommt auch auf 10 Leute ein Polizist, hat man den Eindruck.
Der vorletzte Programmpunkt ist die Casa de Alabado, ein neues Museum, das thematisch die Indiginas-Kulturen seit ca. 5.000 vor Christus behandelt. Die Museumsführerin ist jung und langweilig, die Ausstellungsstücke hingegen sind großartig, fantastische Zeugnisse einer hochinteressanten Vergangenheit.
Ein Lachkrampf löst die Skulptur aus, auf der ein Schamane eine ’sakrale Handlung‘ an sich vollziehen lässt. Die schönste Umschreibung für einen Blowjob, die wir je kennengelernt haben (siehe nebenstehendes Bild *g*).
Die Führung dauert sehr lange und die Rückenschmerzen nehmen zu – alle sind froh, als wir uns in Richtung Calle Ronda, der ältesten Straße Quitos aufmachen, wo wir dann noch auf einen Kaffee (für mich: ein schönes kaltes Bier) einkehren, bevor uns Javier wieder zurück zur Hosteria bringt. Zwar sind wir dem Feierabendverkehr nicht entronnen, aber es geht doch besser voran als erwartet und im klaren Abendlicht erhaschen wir sogar einen Blick auf den Cotopaxi – vielleicht sehen wir ihn ja doch am nächsten Tag.
Der Rollbraten zum Abendessen haut mich jetzt nicht um, aber es gibt wieder eine Wärmflasche ins Bett und alles ist gut. Toller Urlaub, tolle Eindrücke.

25.02. Invisible Volcano
Diesmal geht es um halb zehn auf die Piste, aber wieder mit vollem Gepäck.
Da wir ein Abendessen in der Hacienda El Cienega erwarten, verpflegen wir uns an einem Obststand und später an einer Tienda mit Früchten, Cracker, Sandwiches, Cola und dergleichen.
Der Cotopaxi, ein aktiver Vulkan von rund 5.900 m Höhe steht heute auf dem Programm und natürlich ist das Wetter beschissen. Die Wolken hängen so tief, dass wir den ganzen Tag vom Vulkan genau gar nichts sehen 2 :-(
Bis auf 3.800m fahren wir mit dem Bus und wandern fast zwei Stunden um eine Lagune in der Hochebene am Fuß des unsichtbaren Vulkans, leider auch mit einer unangenehmen Steigung drin, die unerwartet war und mich in dieser Höhe an den Rand meiner Leistungsfähigkeit bringt.
Egal, so mittendrin kann ich es mir nicht mehr aussuchen und muss durch, auch wenn es brutal anstrengend ist.
Dafür ist es ansonsten recht langweilig, die Vögel schärfen mich nicht so und die Landschaft passt zum Wetter: deprimierend.
Ein Highlight ist der massive Regen, der genau zum Besteigen des Bus einsetzt. Win! Die Mountainbiker, die gerade in diesem Moment ihre Tour beginnen, haben unser volles Mitgefühl. Der Coca-Tee vorneweg war jetzt auch nicht gerade der Brüller (vom Geschmack her), aber er soll gegen Höhenkrankheit helfen und die stellte sich auch nicht ein. Ob es was mit dem Tee zu tun hatte…
Ein runde halbe Stunde später trudeln wir dann auch schon bei der Hacienda ein, einem alterwürdigen Anwesen, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht.
Das ‚Tara der Sierra‘ wird sie genannt und die schönen Räume – einstmals für das Gesinde vorgesehen – mit Kamin machen schon was her. Die Preise allerdings sind deftig, ein kleines Bier kostet 3,00 $, anderswo ist das der Preis für zwei Große – hoffentlich wird das nicht zum zukünftigen Maßstab…
Unser Kaminfeuer wird nichts, vermutlich habe ich es totgespielt, aber ist auch nicht so wichtig, das Huhn zum Abendessen ist okay, aber auch nicht gerade eine Offenbarung. Satt macht’s.
Kathinka näht gerade ihre lange Unterhose wieder zusammen, die wird morgen am Chimborazo vonnöten sein…


  1. Wie richtig wir doch lagen…
  2. Was wirklich eine Schande ist, denn er ist wunderschön,

sparta

Jede*r anders, alle Drama. Quality misunderstandings since 1963.

1 Kommentar

richie · 14. März 2012 um 18:31

hrhrhr, Sakrale Handlung! Epic!

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