Karl Kraus sagte „In Wien und in Berlin können Aeroplane aufsteigen, da ist weiter nichts Wunderbares. Aber daß man per Eisenbahn in zwölf Stunden von Grinzing beim Oranienburger Tor sein kann, das klingt wie eine Erfindung.“

Auf diese Erfindung habe ich bei meinem kurzen Besuch in Wien zurückgegriffen, um so schnell wie möglich wieder in heimatliche Gefilde zu kommen, wobei Grinzing und Berlin-Oranienburger Tor durch Westbahnhof und Frankfurt-Hauptbahnhof zu ersetzen sind. Mit dem ICE war das dann auch in knapp sieben Stunden bewerkstelligt.

Positiv: Das so plötzlich gelöste Ticket gab es zum Vorzugspreis und damit war der Gesamtverlust finanzieller Natur nicht ganz so grell, von zwei verschwendeten Calexico-Tickets mal abgesehen.

Negativ: Die Reise war bis auf einen netten Abend mental eher unter Katastrophe zu subsummieren, aber das war schon nach der Ankunft zu erwarten. Wie wusste mein bester Freund zu zitieren: Don’t be reckless with other people’s hearts,  don’t put up with people who are reckless with yours.

Positiv: Der Abend mit Robert und David war wirklich ausgesprochen lustig und auch wenn ich nicht mehr so ganz weiß, wie ich ins Hotel kam, bin ich dort dennoch eingetroffen und abgesehen von einer üblen Lederallergie und ein wenig Blues in der Folge auch gut in Frankfurt angekommen. Danke an die beiden afm-ler für die gelungene Bier-Intoxikation :-)

Negativ: Schon bei der Ankunft glänzte das Wetter durch trübes Grau, das sich wie ein Leichentuch über die Stadt und in der Folge auch über meine Psyche legte. Bei der Abreise war das auch der Fall, aber positiv: an der Grenze rissen die Wolken auf und die Sonne schien, die Vorbeifahrt an Sachsenhausen und Niederrad erfüllte mich mit so einem Glücksgefühl, wie nur Zuhause es erzeugen kann.

Positiv: Hier ist nichts mehr grau und die Laune steigt im Minutentakt. Das ist auch noch Tage später so und wird wohl so bleiben :-)

Nachtrag: Während der Fahrt ging mir die ganze Zeit ein Lied im Kopf rum, ohne mich genau zu erinnern, dass selbst Frankfurt darin thematisiert wird. Wunderschönes Stück von den Go-Betweens, war mal auf einem Sampler von Chili, höre ich immer wieder gerne…

Here comes a city

Just pulled out of a train station we’re moving sideways
I’m sitting here with three other people in the carriage
Passing churches, passing stations, a bustling complex
I see a sequence 22 rivers out my window

Pushing you away from me
Pushing you away from me

The skyscrapers the cloud scratchers
Here comes a city
The sandwich maker the trollycar pusher
Here comes a city

Pushing you away from me
Pushing you away from me

Etterzhausen, Frankfurt Central, here comes a city
And why do people who read Dostoevsky always look like Dostoevsky?

A crowded train, a silent night
The country’s black and the cities are bright

On this flight, through the night
On this flight, historic night

Here comes a city


sparta

Jede*r anders, alle Drama.

5 Kommentare

Holger Issle · 25. Oktober 2008 um 17:16

Ja Peter,

>Schon bei der Ankunft glänzte das Wetter durch trübes Grau, das sich wie ein Leichentuch über die Stadt und in der Folge auch über meine Psyche legte.

Hm. So ghert des aber in Wien, der Wiener lebt für die Leich. Hast Du Dir den (einen der, eigentlich) Friedhof angeschaut?

Ciao,
Holger, mehrere Male dort gewesen und die Stadt mögend.

sparta · 25. Oktober 2008 um 17:18

Ich habe auch schon viel Sonne in Wien erlebt ;-) und ja, ich mag die Stadt (eigentlich) auch.
Diesmal hatte sie wenig Chancen, aber das lag nicht an ihr…
Freu mich auf unbelastetere Besuche in der Zukunft

Doppel-R · 26. Oktober 2008 um 12:15

Jo Peter, und nächstes Mal sagst auch brav wieder vorher Bescheid, das muss nämlich wiederholt werden.
Greets @home…
RR

sparta · 26. Oktober 2008 um 13:33

@RR
Sir, Yes, Sir. Mache ich auf alle Fälle und machen wir auf alle Fälle. :-)

Vielleicht erinner ich mich beim nächsten Mal dann auch am Morgen an was *gg*

Bernhard · 27. Oktober 2008 um 18:38

:-)

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