Wie man es sich gut gehen lässt

Wien am dritten Tag: Zugeschneit, aber wie. Die ganze Nacht hat es geschneit und auf dem Frühstücksbalkon türmt sich die weiße Pracht. Nach einer sehr erholsamen Nacht konnte ein einigermaßen anstrengender Tag kommen :-)

Zuerst haben wir den Naschmarkt unsicher gemacht, wobei sich dort im Schneematsch der Andrang kaufwilliger Besucher in sehr eng gesteckten Grenzen hielt. Außerdem war es recht früh.
Danach sind wir quer durch die Stadt zum Louis gefahren, Lederjacken und Handschuhe checken. Der Laden ist nicht gerade winzig, meine Herren. Piratig kopfbekleidet (die HAD-Halstücher sind einfach superpraktisch) ging es dann zurück in die Innenstadt.
Für meinen Wien-Besuch 2008, der in letzter Konsequenz nur gruselig war, hatte Helmut ein paar Empfehlungen bez. kultureller und kulinarischer Erbauung gegeben, darunter die, die wir heute umsetzen wollten:
– „Cafe Alt Wien“, Bäckerstrasse (nördl. hinterm Dom) -> Gulasch essen (Gulasch, jawohl. Bestes Gulasch ever. Grosse Portion), Bier trinken.
Überragender Tipp: Große Portion Gulasch (mit Gebäck1) und dazu ein Krügerl2 vom guten Egger-Bier. Oder auch zwei. Die waren schon nötig, weil der Herr Hopfmüller nicht Herr seiner Fototasche war und die verlorene selbige über Stunden suchen musste.
Auf alle Fälle hat das ‚Kaffee Alt-Wien‘ einen derartigen Charme, da hätte ich tagelang bleiben können. Man kommt zur Tür rein und ist in einer anderen Welt. Die Atmosphäre ist derart entspannt und kein bisschen kitschig, dennoch liebenwert ‚old-school‘ (wozu auch der Kellner beiträgt, der in einer anderen Welt schon längst in Rente wäre).
Mitten hinein platzt über die Moderne, aka Twitter, die Nachricht, dass das EU-Parlament den Amis SWIFT-mäßig in den Arsch getreten hat, was uns zur spontanen feierlichen Einnahme eines Marillenschnapses zwingt.

Noch ein wenig shoppen auf der Mariahilfer, bevor ich fußlahm die Segel streichen muss und die rettende Badewanne ansteuere. Müde, aua, kalt :-)
Den ursprünglichen Plan kippen wir und gehen stattdessen zu Charlie P’s, wo Burger mit chunky chips und reichlich Kilkenny’s unserer harren.

Show 2 footnotes

  1. für die Piffer: mit ‚Gebäck‘ sind Backwaren gemeint, also nicht Plätzchen oder Kekse, sondern in diesem Fall Brötchen
  2. das verniedlichende Krügerl bezeichnet den großen Krug. Der Seidel ist die kleine Einheit. Niemand behauptet, die Ösis seien logisch in der Wortwahl

6 Antworten

  1. Wolfgang sagt:

    Just for Info Peter:
    Ein Krug wäre zB. ein Mass, also eine Einheit, die ihr euch da oben im Norden schon überhaupt nicht vorstellen könnt. Insofern ist „ein Krügerl“ der Diminutiv von Krug, das passt also von der Logik durchaus.
    Und bitte: es heißt „das Seidel“.
    Beim nächsten Mal kommst im Frühling, dann gehen wir ins Schweizerhaus. Unterstehe dich aber, dort ein Seiderl zu bestellen, es könnte sein, dass der Kellner dich mit einem missmutigen „Mödn’s ehrna wida, wann’s an Duascht hobm“. [1]
     
    [1] „Melden Sie sich wieder, wenn Sie einen Durst verspüren“

  2. sparta sagt:

    Genau. Hier im Norden (ich bin übrigens in Bayern geboren) heißt das nämlich _eine_ Maß. *kopfschüttel*
    Bez. der und das Seidel haut man sich fröhlich, habe ich den Eindruck (seidelweise auf den Kopf) :-)

  3. David sagt:

    _Der_ _S_eidel? Wo hast denn das her? Da müssen Sie was verwechselt haben, junger Mann! *g*

  4. Wolfgang sagt:

    Na, na, seit wann ist das amerikanische Googlefight eine Referenz?
    Und vor allem sind die Ergebnisse ja nicht repräsentativ.
    Guckst du „offizielle“ Seite:
    http://www.ostarrichi.org/wort-713-at-Seidl.html
    http://www.echtwien.at/home/literatur/lexikon/S/817
    lg
    Wolfgang

  5. Richie sagt:

    Sauber! Das Alt Wien hatte ich natürlich nicht mehr mitgekriegt, aber umso mehr ein Grund, die Stadtner noch ein paar mal zu besuchen. Vor allem manche Museen am Samstag nicht offen zu haben, sehr merkwürdig das.
    Ins Minoritenstüberl wollte mich meine Mama ja schicken, da sie gerne Andi und Alex im TV schaut. ;-)

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