Die entspannte Art, ein im besten Wortsinn forderndes Konzert in der kalten, nassen und grausigen Fremde (vulgo: Mannheim) zu überstehen, besteht darin, sich vorort ein Hotelzimmer zu reservieren und gemütlich bereits am Nachmittag anzureisen.

Da ich mit den Mannheimer Konzertstätten nicht unbedingt gute Erfahrungen gemacht habe – gerade was die Anreise angeht – war diesmal im obigen Sinne der Weg vorgezeichnet für diesen denkwürdigen 1. Februar, an dem die Dropkick Murphys und Frank Turner in der Maimarkthalle spielten.

Nach der Ankunft war noch Zeit für einen kurzen Mittagsschlaf, bevor ich mich am Flughafen im ‚Lindbergh‘ stärkte, Katrin und Marry traf und wir dann gemeinsam zur Maimarkthalle aufbrachen.
Dort wurde Katrin schnell die eine überschüssige Karte los und wir waren unter den ersten in der Location. Auch das war vorteilhaft, da sowohl die Garderobe wie auch der Merchandise-Stand noch nicht völlig überlaufen waren.
Mit neuen Hoodies und Shirts eingedeckt erst mal nach den guten Freunden getwittert, Julia und Bastian treffen dann auch kurz vor der Vorgruppe ein (Frank Turner zähle ich übrigens nicht zum Vorprogramm).
‚Cryssis‘, ja… ich hab einfach nicht wirklich zugehört, waren aber wohl gar nicht verkehrt.
Bier.
Tim, Chris und Basti drehen nach ihrer Ankunft eine unterhaltsame Runde in der Garderobe1 (ich hoffe inständig, Tim schreibt tatsächlich einen Blogeintrag darüber, die Erzählung hatte mich jedenfalls schreiend vor Lachen auf dem Boden liegend…)
Die Garderobe ist übrigens im Maimarktclub eingerichtet, bis letzte Woche noch als Location angegeben und ungefähr ¼ so groß wie die Maimarkthalle.

Back to music: ‚Now I’ll play and you sing, the perfect way for the evening to begin.
Frank Turner gehört die Bühne. Und wie sie das tut. Ist ja auch nicht so häufig, dass das Publikum beim Support act textsicher ist, aber offensichtlich haben sich auch andere auf ihn fast so sehr wie die Murphys gefreut.
Bei ‚The road‘ ist es aber dennoch so locker gestellt, dass ich problemlos bis zur Pit-Absperrung vorkomme – die hat wohl einige hardcore-Fans ziemlich angekotzt, als Springsteen-Aficionado kenne ich dergleichen natürlich schon ewig –  und einen sehr schönen Blick auf die Bühne habe.
Begeistert wird bei ‚Photosynthesis‚ mitgesungen und nach immerhin 10 Stücken ist mit ‚I still believe‚ in einer mitreißenden Version Schluss mit Turner.
Muss ich wieder sehen, vor allem als main act mit vollem Programm. Brilliante Texte, stimmungsvolle und gut arrangierte Songs und dieser unfassbar sympathische Typ…

Das nächste Bier will zügig getrunken werden, denn schon in den letzten Songs von Frank Turner zeigte sich, dass es ein großer Pogo-Event werden wird, bis jetzt hat Basti aber nochmal klar machen können, dass es nicht okay ist, wenn man ihn um sein Getränk bringen will ;-)

Jetzt wird es aber ernst.
Und erst mal dunkel. Zu den Klängen von ‚The foggy dew‚ in der Version von den Chieftains mit Sinead O’Connor2 gehen langsam die Spots hinter der Bühne an, mit ‚The Boys are back‚ betreten die Murphys die Szene. Ja, sie können das mit dem Pathos.
Sehr sogar.
Das Intro ist ja noch zum Mitklatschen, aber zum – punktgenau von Tim angesagten ‚brace yourselves‘ – vollen Einstieg in den Song explodiert das Publikum.
Welcome to two hours of sheer madness :-D
Stehen und zuhören ist eher nicht mehr, Kopf über Wasser halten trifft es eher, weswegen zuerst Julia, Bastian und ich den Weg Richtung rettendes Mischpult suchen. Dort geht es später zwar genauso ab wie sonstwo und es ist auch nicht unbedingt die beste Idee, sich durch eine Absperrung passieren zu lassen, mit vereinten Kräften halten wir die Brandung aber schon in Schach.
Derweil rauschen die Jungs aus Boston durch ein Power-Programm der Spitzenklasse. ‚Johnny I hardly knew ya‚ wird hymnisch und hart, ebenso wie das spätere ‚Fields of Athenry‚ (Setlist).
Ausgesprochen gut gefällt mir die Version von ‚Citizen CIA‚, das ich z.B. auf der ‚Live on Lansdowne‘ überhaupt nicht leiden kann.
Es ist eine saugute Zeit mit tollen Freunden.  Aber auch mit  Besoffenen, Halbnackten, Blutenden, Skins und Dauerknutschenden (sowie jeglicher denkbaren Mischform all dieser Erscheinungsformen), an allen Ecken und Enden ist perfekte Unterhaltung geboten.

Von ‚Rose Tattoo‘ über ‚I’m shipping up to Boston3 sind wir bei den Zugaben angekommen, die vier Songs später mit ‚T.N.T.‚ ihr Ende finden.
Bestandaufnahme: Alle unverletzt, von Bierduschen abgesehen, geniales Konzert.
A fantastic evening incredably well spent.

Die Wetteristsoscheißekeintaxiundmannheimisteinfachzumkotzen-Arie lass ich mal weg :-)

Let’s go, Murphys!

Update:
Anscheinend haben wir mit der Show auch viel Glück gehabt, denn Twitter wusste:

  1. auch nach der Show waren sie da wohl in einer Zeitschleife gefangen
  2. Gänsehaut vom Feinsten. Ich war ja noch nie bei den Murphys und wusste daher nicht, dass sie das immer vor der Show spielen. Aber das hätte die Wirkung in diesem Moment wohl auch nicht geändert…
  3. Ah, da ist der Turner ja wieder auf der Bühne, gibt zwar nix zu singen, aber ist ein schönes Zeichen, bei diesem Mega-Hit die Bühne zu teilen.

sparta

Jede*r anders, alle Drama.

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