Staring at the rude boys

1979
Bushaltestelle.
Ein Polizeiwagen fährt vorbei.
In meinem Kopf beginnt ein Lied:
Standing on the street just waiting for a bus – this cop pulls up, they’re giving me the S.U.S.
they say „hey sonny, I think you’re on our file – well, you better come with us for a while
we got you with S.U.S., you look too obvious – you better come with us and don’t make no fuss
we got you with S.U.S.

Songs wie SUS, Dope for Guns, Babylon’s Burning und natürlich Jah War hatten THE RUTS schon damals einen festen Platz in meinem Musikkonsum gesichert, ‚The Crack‚, ihr erstes Album, lief rauf und runter bei uns. Nach dem Tod von Malcolm Owen machten die verbliebenen drei Mitglieder noch unter dem Namen Ruts DC (für da capo) weiter, ihr erstes Album ‚Animal Now‘ zählt für mich mit zum Besten an Musik in meinem Plattenschrank…
Der Erfolg blieb aber auf der Strecke und 1983 löste sich die Band leider auf.
Eine kurze Reunion 2007 mit Henry Rollins als Sänger blieb von mir gänzlich unbemerkt, ich war ja schon froh, mir in den trüben 90ern auf hirnrissigsten und heute kaum noch nachvollziehbaren Umwegen die ‚Animal Now‘ endlich selbst auf Vinyl beschafft zu haben. Als CD gab es sie nämlich nicht. Und ich hatte nur die Maxell-Cassette mit der Kopie. Einer einigermaßen runtergeranzten Kopie, denn das Band lief oft…
Und die Band hatte sich ja aufgelöst. Schade eigentlich.

Juni 2014.
Gestern war ich in DAS BETT, dem wirklich kuscheligen Club in der Schmidtstraße in Frankfurt. Zum wiederholten Mal, schon zweimal habe ich Eläkeläiset hier genossen und diesmal war ich mit den älteren Herren aus meiner Punk-Jugend und -Schule bei CHROME.
Heute ackere ich mich mal durch den Veranstaltungskalender des Clubs, vielleicht sind da ja noch so Schätzchen aus alten Tagen dabei…
*BÄM*

26.9. Ruts DC

rutsdcIch hab‘ meinen Augen nicht getraut. Und dann erst mal Google angeschmissen und mich auf aktuellen Stand gebracht.
Spätestens nach den Konzertmitschnitten aus 2013 auf Youtube war ich über meinen ohnehin hohen Suchtgrad hinaus angefixed, dass es eine Art hatte. Gleich mal Kai anquatschen, weil Dub und Reggae und so.
Und dann nur noch Vorfreude ohne Ende.

Bis Freitag. Dann war es nämlich so weit und ich habe tatsächlich Segs Jennings und Dave Ruffy UND Leigh Heggarty, aka THE RUTS DC gesehen und gehört. Ich habe mitgesungen und getanzt und bin immer noch völlig im Eimer. Sagte ich schon, dass es einfach geil war?

Der Reihe nach. Zuerst mal ist mal genau keiner da. Und ich habe ein Ticket zuviel, Kai kann dann nämlich kurzfristig doch nicht. Schade, aber vielleicht im Endeffekt besser, denn #ausgründen ist die Songauswahl eher punkig und nur das absolute Muss an Reggae findet sich in der Setlist.
Gut ist erstmal, dass ich das Ticket noch los werde und ungefähr eine Stunde nach ursprünglich angesetztem Konzertbeginn finden sich auch so viele Menschen ein, dass man sich nicht nur schämt.
Aber echt, 80 Leute oder so, das ist wirklich traurig – andererseits hat man ausreichend Platz im Raum und kann dem schlimmsten Pogo-Getümmel entgehen. Pogo, ja, der findet dann doch eher nicht statt, zu stark ist rotzige Punk-Jugend der 80 gealtert.

Immerhin – Bandshirts gibt es bei diesem letzten Gig der Europatournee nur noch in XXL. Rückschlüsse über die Fanbase will ich hier aber nicht anstellen. Ich hab mir jedenfalls keins geholt. Obwohl ich wollte. Aber bei 2XL trete ich beim Laufen auf den Saum.

Die Stimmung ist aber trotzdem prächtig, der Sound kernig und die Band entspannt und charmant. Segs erzählt von einer breiten Fahrt von Wien nach München (breites Grinsen allenthalben, bei mir insbesondere) und der Schönheit Wiens überhaupt. Ich bin ganz bei ihm, auch wenn ich das schon im Band-Blog gelesen habe :-D
Dass sie das auch nicht seit gestern erst machen, merkt auch schnell jeder Mensch im Raum. Technisch saustark sind alle drei an ihren Instrumenten, Spielwitz und perfekte Abstimmung machen jeden Song großartig.
Klar, Segs ist nicht Malcolm Owen und ein wenig geht ihm am Ende auch die Puste aus, das ist aber nicht nur mehr als verzeihlich, es gibt dem Ganzen nochmal eine sympathische Note.
Die hat das nahezu analoge Setting aber ohnehin, schon ich komme mir mit meinem Smartphone beim Fotografieren wie ein Zeitreisender vor, außer mir sind gerade mal noch zwei oder drei andere mit ’so neumodischem Krams‘ unterwegs.
Back to the eighties :-D

Wenige Zuschauer machen aber trotzdem jede Menge Lärm und zerren die Jungs noch zweimal aus der Garderobe raus,  knapp zwei Stunden ging es alles in allem.

Setlist… Reihenfolge habe ich nicht mitgeschrieben, das hier sind einfach alle Songs, an die ich mich erinnere.

Whatever we do
Mighty Soldier
Backbiter
SUS
Dope for guns
Love in Vain/Police and Thieves
Staring at the rude boys

It was cold
No time to kill

Mirror Smashed
Babylon’s Burning
Dangerous Minds
Jah War
West one (Shine on me)
Something that I said
In a rut

Links:
http://www.theruts.co.uk/
http://thequietus.com/articles/04432-the-ruts-malcolm-owen-30-year-anniversary
https://www.facebook.com/pages/RUTS-DC/174918915866939
https://twitter.com/therutsdc


 

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