Seychellen 2012 – Praslin

sey_title02Wenn schon Hochzeitsreise, dann richtig. Vor zehn Jahren war keine Reise drin, weil Kathinka gerade einen neuen Job begonnen hatte und wir mit Haus und so mehr als ausgelastet waren. Zum 10-jährigen sieht das ein wenig anders aus und deshalb haben wir uns einen fantastischen Urlaub gegönnt. Unsere Wahl fiel auf die Seychellen, da diese neben Strand und Meer auch eine abwechslungsreiche Flora und Fauna bieten, wir also nicht auf das Rumliegen am Strand angewiesen sind. Ein bisschen was muss schon passieren.

Erster Halt: Praslin

Nach der Landung auf dem Flughafen der Hauptinsel Mahé wurden wir zum Kai des Highspeed-Katamarans ‚Cat Cocos‘ gebracht, den wir (leider im Innenraum und nicht auf dem Frischluft-Deck oben) nach einiger Wartezeit bestiegen.
Die Fahrt nach Praslin dauert ungefähr eine Stunde und die See war sehr ruhig1, so dass wir gegen Mittag  in Baie Sainte Anne und nach abenteuerlicher Busfahrt in unserem Hotel aufschlugen.  

Unsere Unterkunft, nach der auf Praslin omnipräsenten  Coco de Mer benannt, liegt unterhalb der Straße in einer schönen Bucht2 und ist eine weitläufige Anlage mit allen möglichen Annehmlichkeiten, unser Zimmer am Hügel hat rund 45 m² mit großer Terrasse, Badewanne im Wohnzimmer, Fernseher, Minibar und dergleichen. Meer- und Palmenblick gehört eh dazu. Unser Zimmer ist zwar nur über ein paar Treppenstufen erreichbar, dafür tapert uns nicht ständig jemand im Blickfeld rum. Und die offene Terrasse zieht Vögel geradezu magisch an… Logischerweise geht es dann aber erst mal ins Wasser, der Indische Ozean ist kuschelig warm :-)
Morgens nach dem Frühstück werden die Fische am Pier mit Brot gefüttert, was selbst bei trüben Wasser Schnorchelspaß bietet – viele bunte Fische gibt es hier. Erste Erkundung der Insel per pedes ist bisweilen sehr anstrengend – die Steigungen der Straßen betragen bis zu 30%, aber wir kommen gut bis zum nächsten Laden, wo wir zur Bestückung der Minibar Wasser und Bier kaufen.
Auf dem Rückweg sehe ich auf der Straße einen winzigen Taggecko – klar, die Madagaskar-Taggecko-ähnlichen Tierchen kommen hier auch vor. Kathinka gelingt es, den Kleinen zu fangen und er krabbelt fröhlich auf uns herum. Hach.

Wenn es denn mal regnet, hängen wir auf der Terrasse oder in der Badewanne ab, schon am zweiten Tag macht sich jedenfalls tiefe Entspannung breit. Und das fantastische Abendessen mit sautierten Tintenfischen und diversen Currys tut sein übriges.
Nachts schüttet es wie aus Eimern, aber der Folgetag ist ein reiner Traum.
Weather-wise.
Über ‚was alles aus Fototaschen ins Wasser fallen kann‘ soll an dieser Stelle nicht geredet werden, sondern wir bleiben bei den positiven Erinnerungen unseres (1.) Ausflugs an die Anse Lazio, als einer der schönsten Strände der Welt angepriesen3.
Wir rattern mit dem Bus quer über die Insel, durch Urwald, an beeindruckenden Felsen und malerischen Buchten vorbei, bis wir nach einer Dreiviertelstunde unser Ziel erreichen.
Was soll ich sagen, die Werbung lügt nicht, der Strand ist ein Traum. Weißer Sand, beschattende Bäume am Rand, so dass man nicht in der Sonne liegen muss und Wasser in allen Türkis- und Blautönen, die man sich vorstellen kann. Am Strand lang laufen ist schon toll, im Meer planschen auch und beim Schnorcheln an den nahegelegenen Felsen sehen wir tolle Fische, Seeigel, Korallen und Seeanemonen. Alle Goodies, die wir mitgebracht oder extra gekauft haben, erweisen sich als sinnvoll, die Schwimm’nudeln‘, die Taucherbrillen, Flossen und die Schwimmweste. Schnorcheln findet sehr entspannt statt (auch wenn ich Trottel mich immer leicht überfordere…)
Nach drei herrlichen Stunden fahren wir wieder zurück und beschließen, uns am nächsten Tag ein Auto zu mieten und die ganzen schönen Stellen der gestrigen Fahrt mal in detaillierteren Augenschein zu nehmen.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag übernehmen wir unser Autochen, einen Hyundai i10 Automatic 4 Praslin ist 12km lang und rund 5 km breit. Allerdings geht es heftig hoch und runter und die Straßen sind selten breit genug für zwei Fahrzeuge.
Das allein wäre nicht schlimm, wenn nicht in der Regel neben der Straße tiefe Gräben verliefen und jede Annährung an ein entgegenkommendes Fahrzeug meistens für einen kleinen Schweißausbruch sorgt – vor allem beim Beifahrer.
Kathinkas Nerven mussten die einen oder andere Belastungsprobe mitmachen und ich bin auch schon entspannter aus einem Auto gestiegen – aber es macht trotzdem einen Heidenspaß. Wir fahren auch tatsächlich jede einzelne offizielle und so manche halboffizielle Straße ab, durch riesige Schlaglöcher zum (fast) höchsten Punkt der Insel, der interessanterweise ‚Zimbabwe‘ heißt.
An nahezu jedem Strand vorbei und jeder kleinen Ansiedlung sehen wir Ansammlungen von großen Radnetzspinnen wie in Namibia in den Stromleitungen, gehen einem schönen Trail durch den Urwald nach, bis Kathinka angesichts der Moorüberquerung auf halben Baumstämmen die Abenteuerlust verlässt…
An Anse Volbert schmökern wir uns durch Souvenirläden, trinken ein Frühschoppenbier und essen sehr gut zu Mittag in ‚La Pirouge‘, Kathinkas Salat ist sehr lecker, aber mein Oktopuscurry mit Zimt und allerlei Beilagen, die uns Rätsel aufgeben, ist der Hammer. Natürlich auch nicht ganz billig, aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt.
Rund 60 km Straßen mit Asphalt aus Adrenalin, die ich gerne mal mit einem ordentlichen Mopped unter dem Hintern abfahren würde, haben wir hinter uns gebracht. Überhaupt ist die Zweiraddichte sehr gering, was mich nicht wenig wundert, sind doch die engen Straßen eigentlich prädestiniert für motorisierte Fortbewegung mit günstigem Leistungsgewicht…

Unser letzter Tag führt uns dann nochmal zu Anse Lazio, der kostenlose Transfer vom Hotel ist einfach verführerisch…


Show 4 footnotes

  1. was einigen Menschen aber schon genügt, um sich die Bordverpflegung nochmal durch den Kopf gehen zu lassen
  2. leider mit viel Seegras am Strand, das ist nicht nur wegen der darin eiablegenden Fliegen, sondern auch sonst unangenehm, an der Westseite der Insel aber um die Jahreszeit wohl unvermeidbar
  3. zu recht
  4. doch irgendwie einfacher bei Linksverkehrt, wenn ich nicht noch ständig, statt zu schalten, die Tür auf- und zumache. Der Scheibenwischer wird noch oft genug betätigt werden, obwohl es weder regnet, noch die Scheibe dreckig ist *g*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.