Odysseus Reloaded

Heutzutage geht ja alles so viel schneller. Da braucht eine durchschnittliche Odyssee keine 10 Jahre mehr, der Grad maximaler Genervtheit wird man dank der Errungenschaften der Technik ohne große Umstände viel zügiger als noch zu Zeiten des Fürsten von Ithaka erreicht.
Die Freuden des heutigen Vormittags begannen eigentlich schon gestern1. Da war Stammtisch, aber eingedenk des heutigen Vorhabens durfte ich da nicht allzu lange verweilen und sollte besser bremsen beim Bier. Die Nacht würde nämlich um kurz vor sieben zu Ende sein, um halb acht wollten wir auf dem Weg sein.
Ins ferne Dietzenbach ging die Reise, wo meine Liebste ein Seminar leitet und wegen nicht gegebener Parkmöglichkeiten vorort nur ungern selbst fahren möchte. Kein Ding, sowas mache ich ja gerne. Wir reden jetzt nicht über eine Nacht mit wenig Schlaf, merkwürdigen Träumen etc.
Das Augenmerk liegt auf der Reise. Der Weg ist das Ziel (dafür würde mir der historische Odysseus eine semmeln, schätze ich…).
Also um halb acht auf die Autobahn, lieber den großen Weg um den Pudding fahren und nicht an jedem Kantstein anhalten müssen. Soweit so gut, das klappt prächtig bis zur Ausfahrt von der A3, dort genau haben sich ein paar Autos so lieb, dass sie eng ineinander gedrückt mitsamt den netten Menschen von der Feuerwehr und Polizei ein paar Spuren blockieren, die Verkehrsführung ist komplett unklar und es staut.
Unser Zeitpuffer ist aber locker ausreichend, nach Durchwurschteln geht es recht zügig weiter und nur minimal hinter dem gesteckten Zeitplan wird das Ziel erreicht.
Die Rückfahrt ist selbstverständlich doof, denn um halb neun von Süden nach Frankfurt rein bin ich auch nur just another fucking Pendler, der den Stillstand auf der Straße fördert. Drei Aufgaben habe ich noch auf dem Zettel, Tanken, Umschreibungen auf der Zulassungsstelle und Medizin für die Nieskatze beim Tierarzt holen. Letzteres ist immer sehr lustig, denn auch beim Tierarzt gibt es nur mit viel Glück mal einen Parkplatz. Zuerst aber Zulassungsstelle. Dort wartet bereits eine stattliche Menge Menschen auf Einlass, vermutlich waren die alle genausogut zeitlich vorbereitet wie ich: Der Laden macht erst um zehn auf, jetzt ist es zwanzig vor. Hmpf.Odysseus-and-Polyphemus-public-domain-e1364798823999
Dann doch erst zum Tierarzt. „Setzet die Segel. Gen Sossenheim!“
Was habe ich gesagt? Mit viel Glück einen Parkplatz?
Glück war aus und um kurz vor zehn gab es keinen. Hmpf II.
Also zurück zur Zulassungsstelle und nach nur einer halben Stunde in der Schlange stehen die ein wenig überfällige2 Adressänderung durchführen lassen. Zwei Aufkleberchen 4×1 cm., zweimal stempeln, 21,40 Euro.
Und wieder zurück aufs Schiff, äh, ins Auto und ein weiterer Versuch beim Tierarzt.
Mittlerweile ist es kurz nach viertel vor elf und einen Parkplatz gibt es nicht. Aber so gar nicht. Hmpf III.
Ich beschließe, jetzt keine Lust mehr zu haben und die heimatlichen Gestade anzulaufen. Zuerst aber noch Nahrung in den BMW füllen und tatsächlich ist mir das Glück diesmal hold – kostete der Sprit im Offenbacher Land noch um 1,51 €/l, sind es in Frankfurt an der Tanke meines geringsten Misstrauens nur 1,45 €/l.
Die Ersparnis habe ich aber ohnehin schon wieder verheizt, denn:  Vor die Heimat haben die Götter eine Aufgabe gesetzt: Finde einen Parkplatz in Bockenheim um halb zwölf. Das ist zwar prinzipiell möglich und gelingt mir auch nach nur einer Viertelstunde Rumkreiseln. Es sind auch nur 10 min. in strammem Marschtempo und schon bin ich in den eigenen vier Wänden.
Heute nachmittag dann wieder hinaus in den Süden zur Abholung und von dort erneut zum Tierarzt.
Ich freu mich jetzt schon.


 

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  1. Um im klassischen Vergleich zu bleiben: Das Vorspiel oder ‚mein privater trojanischer Krieg‘
  2. *hüstel*, was sind schon 8 Monate Verspätung…

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