Namibia 2011 – Teil 7

 

10.04. and then there were elefants…
Nach dem Frühstück besuchen wir das auf dem Farmgelände liegende Dorf der Himba. Die Himba sind ein halbnomadisches Hirtenvolk, deren Frauen durch ein spezielles Make-up aus Butterfett und Ocker auffallen. Die ‚Besichtigung‘ hat einen unangenehmen Beigeschmack von Zurschaustellung, beinahe Prostitution, denn kaum sind die Touris da, werden die vorher getragenen Brusttücher abgestreift und halbnackt posiert.
Abschließend veranstalten die Frauen einen Markt und auf diese Art und Weise können wir ihnen ein wenig Geld zukommen lassen, ohne dass es zu sehr nach Bettelei oder Porn aussieht. Oku hepa (‚Danke‘ auf Himba) sagen wir.

Ein paar km Teerstraße weiter sind wir dann auch schon am Etosha-Nationalpark, am westlichen Eingang geht es rein, wo nur wenige einen Permit bekommen.
Entsprechend einsam ist es und wir begegnen kaum anderen Fahrzeugen. Dafür aber Tieren. Und zwar in rauen Mengen, Zebras, Giraffen und Warzenschweine sind so reichlich, dass es fast schon langweilig wird :-)
Steppenzebras haben im Gegensatz zu Bergzebras keine Streifen bis an die Hufe, außerdem haben letztere einen weißen Bauch. Wir schauen Erdhörnchen zu, die mit einer Agame spielen (später auch in der gefährlichen Konfrontation mit einer wenigstens zwei Meter langen Kobra), sehen Riesentrappen und Gnus, Oryx-Antilopen und Springböcke sind sowie immer präsent.
Von den possierlichen Steinböckchen sieht man aus dem hohen Gras nur die Ohren ragen… An einem Damm sitzt eine Wasserschildkröte in typischer Pose und Gustav findet sogar zwei Landschildkröten. An der Reptilienfront ist also alles im grünen Bereich :-)
Asta sieht links einen Elefant im Busch und dann ist die ganze Herde vor uns auf der Straße. Wir sind komplett begeistert, als die Leitkuh einen Scheinangriff auf unseren Bus durchführt und mit lauten Trompetenstößen und wehenden Ohren losstürmt. Ein paar Meter vor uns dreht sie ab und geleitet die Herde über die Straße. Aber damit ist es noch nicht erledigt, um den Baum herum erfolgt ein neuer Angriff und alle Mann weichen im Bus zurück, aber wieder erfolgt kein Zusammenprall, sondern es handelt sich nur um eine Drohkulisse. Mir gelingen ein paar großartige Bilder und alle sind völlig aus dem Häuschen.
Elefanten!
Wow.
Mittag wird in einem Restcamp mitten im Park gemacht, wo neben riesigen Siedlerwebernestern auch wieder eine der faszinierenden Golden Orb Netzspinnen, die wir auch schon auf Kiripotib sahen, ihr Netz gespannt hat. Die goldenen Haltefäden, die der Spinne ihren Namen gaben, erreichen erstaunliche Zugfestigkeitswerte, höher als Stahl bei gleicher Dimension.
An einer anderen Stelle liegen Stachelschweinstacheln rum, die Gustav für uns aufliest – die wir natürlich offiziell ‚anderswo‘ gekauft haben ;-)
Falken, Gackeltrappen und ein paar Kuh-Antilopen (Hartebeest) kreuzen unseren Weg.
Dann erreichen wir langsam die Lodge, aber davor kommt noch ein absoluter Höhepunkt – dort, wo sich die Autos ballen, liegt ein gerissenes Zebra, an dem sich ein Haufen Schabrackenschakale gütlich tun – bis zum grandiosen Auftritt einer Löwin, die den Riss für sich beansprucht und die Schakale durch die Gegend scheucht. Im Licht der untergehenen Sonne leuchten die bernsteinfarbenen Augen der großen Raubkatze – ein fantastisches Erlebnis…
Die Unterkunft im Camp im Park ist massentouristisch orientiert winzig, die Betten sind weich. Ein einigermaßen reichhaltiges Buffet entschädigt, ist aber auch mit 150 N$ nicht gerade günstig.
Dafür haben wir eine Klimaanlage und gute Steppdecken.


11.04. A bit bored in Etosha

Eine halbe Stunde früher geht es heute raus, was uns aber wenig bringt, denn es sind ewig genau keine Tiere zu sehen, dafür sitzen wir in der letzen Reihe und der Sitz ist die Hölle.
Nach dem ganzen Tag in der Kiste sitzen habe ich Schmerzen in der Hüfte, dass es nicht mehr feierlich ist.
Wir halten wirklich für jeden Springbock und die Highlights bestehen aus Chamäleons und einem schönen Singhabicht.
Die Straße ist grottig, es ist viel Staub unterwegs und ich habe doch Schiss um die Geräte, weswegen ich auch die Canon nur seltenst raushole.
Glanzstare, Blauracken und Rotschnabeltokos sind die Besonderheiten bei den Vögeln, zwei Chamäleons finden wir auch.
Ein Abstecher in die Etosha-Pfanne. Normalerweise eine öde Salz-Wüste, potteben, glänzt sie nun mit Wasser bis zum Rand.
Auf dem Campingsplatz zum Mittagspicknick fasziniert uns ein Riesenmistkäfer und ein Baumhörnchen frisst Cracker aus meiner Hand.
Am Nachmittag sehen wir ein paar große Kudus, Giraffen, Zebras und Gnus bis zum Abwinken und zwei wunderschöne Geparden stehen auf der Straße rum, verziehen sich aber bei Annäherung ins nahe Gebüsch.
Am Abend laufen wir in der Sachsenheim (dem Heim der Familie Sachse) Guest Farm ein, wo neben einer herzlichen Begrüßung die tollsten Zimmer bisher auf uns warten, Doppelbetten mit ausgezeichneten Matratzen in einem großen, geschmackvoll eingerichteten Raum, massig Steckdosen, gute Kofferablagen und dann gibt es noch ein tolles Abendessen vom Buffet und gutes kaltes Bier.
Der Tag war ansonsten nicht so toll, aber der Abend versöhnt :-)


 

12.04. A day of game riding
Und heute geht es noch früher raus, um sieben startet nämlich der ganztätige Trip im offenen Geländewagen in Namutomi (ca. 45 km von der Guest Farm, davon 10km im Park), also drei ‚Ausritte‘ letztendlich, einer vor dem Frühstück, einer bis zum Mittag und einer bis zum Abend.
Schon bei der Einfahrt aber kurz vor Namutomi sehen wir in einiger Entfernung ein Nashorn auf der Straße, von dem mir aber nur ein sehr unscharfes Bild gelingt, leider wird auch den ganzen Tag kein weiteres zu sehen sein.
Ebenfalls haben wir dort eine Begegnung mit Dik-Diks, den winzigen Antilopen, die man im Gras zur Zeit genau nicht sieht, weil sie nur 30cm hoch sind.
Unser Fahrer Daniel ist ein junger Ranger mit einem sehr rücksichtsvollen Fahrstil und diesmal nimmt die Fahrt auch einen anderen Verlauf.
Von vorneherein sehen wir viele Tiere, Giraffen, Zebras, Impalas und Gnus, vollgefressene Weißrückengeier sitzen um die Stelle herum, wo ein gerissenes Zebra mittlerweile komplett verschwunden war. Wir machen tolle Bilder von Gabelracken, wirklich wunderschönen Vögeln und nach dem Frühstück (’no butter or meat‘ steht auf unseren Frühstücksboxen, die Bestellung ‚zweimal ohne Butter und einmal ohne Fleisch‘ war doch ein wenig zu kompliziert, und wurde dergestalt vereinfacht.) sichtet der große Elefantenfan Angelika einen Elefantenbullen.
Zwar ist der Weg zu ihm mit Steinen versperrt, aber wir ignorieren das und fahren einigermaßen nahe ran, nicht so nah wie das Auto vor uns, in dem die Leute bei manchen Szenen bestimmt ein wenig Angst haben…
Der Bulle ist aber sehr entspannt und beschmeißt sich genüsslich mit Wasser und Matsch, ich mache ungefähr 90 Fotos *g*.
Kurzzeitig kommt er mal auf uns zu und Daniel weicht respektvoll zurück, der große Elefant dreht dann aber ab und verschwindet in den Büschen.
Die Begeisterung bei uns ist natürlich nahezu grenzenlos :-).

Mittag in Namutomi unter einer Akazie zu heftigen Preisen (die wir aber clever umgehen können), danach geht es wieder auf die Pirsch.
Während Daniel noch glaubt, einen Löwen gesehen zu haben, fallen mir zwei große Vögel am Himmel auf.
Abdimstörche.
Sie sind aber nicht allein, denn zwei Schmarotzer-Milane sind auch am Himmel unterwegs und beginnen, Angriffe auf die Störche zu fliegen.
Es folgen über 10 min. Luftkampf vom Feinsten, der aber deutlich zugunsten der Störche ausgeht, die sich immer höher schrauben, damit die Milane keine Sturzflüge mehr starten können.
Faszinierend.
Kurz danach sind wir auf einer schmalen Straße zwischen zwei Seenplatten und haben Giraffen-Gegenverkehr. Der Giraffenbulle kann mit unserem Auto wenig anfangen und traut sich nicht an uns vorbei.
Mehrfach wendet er und geht ein paar Schritte zurück, aber dann dreht er immer wieder rum und man merkt deutlich, dass er schon auf seinem ursprünglichen Weg weiter will.
Daniel weicht nach rechts aus (scheint eine Rechtsverkehr-Giraffe zu sein) und nach etlichem vor und zurück kommt das große Tier ein wenig näher, es ist totenstill, keiner fotografiert oder redet und …… dann passiert es das Auto im gestreckten Galopp.
Deutlich war zu merken, wie es sich so richtig ein Herz fasste und vorbeisprintete – um wenige Meter später gemütlich seinen Weg fortzusetzen.
Weiter passiert nichts Aufregendes und wir kehren mit Einbruch der Dunkelheit wieder nach Sachsenheim zurück.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.