Frühstück in Bockenheim mit Helmut hat immer einen besonderen Charme. Heute auch noch mit herrlichem Wetter beglückt, haben wir es uns im Statt-Café gut gehen lassen.
Auf der Speisekarte: Englisches Frühstück und Cappucchino.
Auf der Themenkarte: Deutschland und die Kirche. Namentlich die katholische oder ’nennen sie mir einen Grund, warum ich nicht pausenlos kotzen sollte‘ (und am Frühstück lag es nicht).

Let’s start the rant, ein gestern gehörtes Beispiel: Gelernte Altenpflegerin bekommt einen Job nicht, weil sie geschieden und alleinerziehend ist. Realität in einem deutschen Tendenzbetrieb mit kirchlicher Trägerschaft. Unglaublich, aber wahr – selten thematisiert und zumeist billigend in Kauf genommen. Dafür zahlt man doch gerne Kirchensteuer…
Ach, hatte ich schon erwähnt, dass ich gestern bei Hagen Rether in Wiesbaden war? Da kommt einiges an Bewusstsein her, das zwar schon mal da war, aber inzwischen wieder verschütt‘ gegangen ist.
Hagen Rether ist im besten unchristlichen Sinne eine Offenbarung. Ob rassistische Hetze im deutschen Medienwald (namentlich ‚Spiegel‘ und ‚Stern‘), die religionspolitische Dauerzündelei von Ratzinger, dem ’netten Hardliner aus Altötting‘, die Angstkultur in unserer Gesellschaft (Der Planet schmilzt!!!1 Wir werden alle sterben!!!1), die tollen Tricks unserer Regierenden (hat jemand mitbekommen, dass für einige Milliarden knapp zwei Dutzend Eurofighter angeschafft wurden, während Deutschland 2006 besoffen im Fußballstadion rumhing?), bei Hagen lernt man und auch wenn einem die Tränen vor Lachen in den Augen stehen, fällt bisweilen das Schlucken schwer.
Und dazu muss man noch nicht mal an die Konsequenzen der Aids-Katastrophe in Afrika im Zusammenhang mit Papparazzi and the Cardinals, diesem Brokatkleidchen-Club in Rom erinnert werden oder sich vor Augen führen, dass wir doch dieses Jahr tatsächlich bemerkt haben, dass Tibet seit 50 Jahren von den Chinesen besetzt ist. (Die CIA hat das herausgefunden… die finden alles raus…)

Schneidend, hochgradig ätzend, aber von mir jederzeit unterschreibbar, war das ein überaus gelungener Abend zusammen mit Richie, Heike und Hiesi (danke fürs Fahren). Drei Stunden Kabarett (plus Pause), wie es in Deutschland in dieser Qualität und Härte vielleicht nur noch der Priol hinbekommt.
Lohnt sich, wirklich.
Vielen Dank und Hagen Rether für seinen kaputten Fuß von hier aus ein herzliches ‚Gute Besserung‘.
Bald und gerne wieder.

Kategorien: alltagfreunde

sparta

Jede*r anders, alle Drama.

2 Kommentare

Helmut Wicht · 25. Oktober 2008 um 19:52

Du hast vergessen, zu erwähnen, dass ich heute morgen im Gespräch mit Dir meinen Krypto-Katholizismus und meine Zuneigung zur Dogmatik wiederentdeckt habe.

Von daher war es ein sehr lehrreiches Frühstück, weil es mir zu denken gegeben hat, denn ich weiss nicht so recht, ob ich diese Funde im Inneren meiner Gedankenwelten so wirklich erfreulich finden soll…um sich selbst zu erkennen, braucht’s einen anderen.

Danke.

sparta · 25. Oktober 2008 um 19:56

Außerdem muss ich mittels dieses Links auch auf deinen neuen Blogbeitrag verweisen.
Zur Dogmatik: Wie man an der aktuellen Diskussion mit den Radfahrern aus drf sieht, sind Dogmen dringend notwendig, damit man sich mit Leuten auch ordentlich rumbalgen kann. ;-)
Von daher leistest du wohl nur einen Beitrag zur Streitkultur generell und im Besonderen…

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