Ecuador & Galápagos Islands – 2012 | Teil 6

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04.03. Speedboating
Segnungen der Zivilisation: Um drei Uhr morgens ist an Weiterschlafen nicht zu denken, weil ein konstantes Piepen im Intervall von ca. 5 Sekunden uns den Nerv raubt. Dann halt weiter mit Ohrstöpseln → siehe Cuenca.
Im Nachhinhein war es wohl ein erster kleiner Stromausfall1 – gegen halb fünf fiel er dann komplett für den Vormittag aus.
Dieser Vormittag ist ohnehin frei und wir bummeln ein wenig durch Puerto Ayora; das wichtigste Gut, das wir benötigen (außer dem Andenken-T-Shirt), ist Sonnenschutzcreme. Wir sind wirklich übel verbrannt und wollen die noch unversehrten Hautoberflächen sinnvoll schützen.
Lichtschutzfaktor 60 ist das stärkste, was wir kriegen, die von den Guides zumeist verwendeten LSF-100-Fläschchen sind auch abartig teuer – außerdem hat die Apotheke am Wegesrand heute natürlich ausnahmsweise zu :-(.
Nicht zu hat der Fischmarkt, der wohl hauptsächlich für die Touris da ist, das macht aber nichts – es ist trotzdem eine tolle Show, die dort geboten wird, ein Fischer schneidet Filets und ist dabei von Seelöwen, Pelikanen, Möwen und Seeschwalben umlagert, die hin und wieder natürlich auch mal einen kleinen Happen abbekommen.

Ein wenig Abkühlung holen wir uns danach noch am Hotelpool und kurz nach dem Mittag geht es auf’s Schnellboot nach Isabela.
Es folgt eine erneute ‚gründliche‘ Gepäckkontrolle, bei der das Schmuggeln einer zweijährigen Riesenschildkröte mehr als einfach gewesen wäre.
Wir ergattern zwei Plätze auf der Flybridge, unmittelbar hinter dem Kapitän und zwar direkt in der Sonne, aber auch an der frischen Luft, im Innenraum vor den drei großen Außenbordern (mit je 200PS) ist es wohl eher stickig und stinkig.
Dennoch mache ich mir ein wenig Sorgen um meine Seegängigkeit, es schüttelt und schaukelt nämlich schon ganz ordentlich auf dem Kahn. Letzlich erweise ich mich aber als nicht von der Seekrankheit betroffen und habe sogar ausgesprochenen Spaß, während wir mit hoher Heckwelle über eine spiegelglatte See nach Westen rauschen.
Wir erreichen Isabela bei Niedrigwasser und müssen mit dem Wassertaxi an den Steg, uns erwartet wieder ein Musterbeispiel ecuadorianischer Organisationskunst – sprich, es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis zu den Personen dann auch das Gepäck auf den Steg verbracht ist. In der Zwischenzeit vertreiben uns aber zwei kleinere Rochen die Zeit, die im Slalom unter den Brettern entlangschwimmen.
Irgendwann werden wir dann tatsächlich mit dem offenen Klapperbus zu unserem Hotel gefahren und was soll ich sagen – eine Art karibischer Traum, wenige Meter vom Pazifik entfernt, Palmen, Sandstrand und auf der anderen Seite nur ein paar Schritte ins ‚Zentrum‘, das hier angenehmerweise nur aus einem kleinen Platz mit ein paar Restaurants besteht.
Unser Zimmer liegt zwar offen am Hauptgang des Hotels und ist ziemlich winzig, aber was soll’s, wir sind Schlimmeres gewohnt und im Endeffekt wird es richtig klasse.
Nicht nachvollziehen können wir die Ankündigung, dass auf Galápagos alles erheblich einfacher (in Bezug auf Ausstattung und Bequemlichkeit) als auf dem Festland sein soll, unsere Zimmer waren immer mit einwandfrei funktionierenden Klimaanlagen ausgestattet, die Matratzen waren ausnahmslos gut und Decken braucht man auf den Inseln eh keine, es ist derart heiß…
Einen Hauptkritikpunkt an der Reise sollten wir beim Abendessen erleben müssen, aber zuerst mal geht es ins Wasser…
Zum Abendessen holt uns unser einheimischer Führer ab und bringt uns in eine muffige Bude im zweiten Stock eines unvollständigen Hotels, wo wir alleine im Charme einer vor Jahren vergessenen Kantine hocken, es ist unerträglich stickig und die Laune sinkt sekundenschnell auf den Tiefpunkt.
Eine Mail an den Reiseveranstalter später und dem festen Vorhaben, dort keinen Fuß mehr hineinzusetzen, sitzen wir am Abend zum Fotos gucken vor unserem Zimmer und lassen uns in der schlagartig mit dem Sonnenuntergang eintretenden Dunkelheit noch ein Bier schmecken.
Das Meer rauscht gleichmäßig und der Nachtschlaf ist entsprechend friedlich und schön.

05.03. A lazy day
Ein paar Frühaufsteher (die wohl zum morgendlichen Schnellboot müssen) und die Tierwelt sorgen schon dafür, dass man sich nicht überschläft :-)
Die frühe Stunde wird noch für ein wenig Kommunikation mit zuhause genutzt, um 7:00 Uhr geht es zum Frühstück in den Ort.
Das Restaurant ist nett, das Frühstück okay, sie sind nicht die Schnellsten, aber das macht am frühen Morgen auch nichts, ganz im Gegenteil, ein wenig Gemütlichkeit ist nicht unwillkommen.
Heute steht der große Ausflug zum Vulkan Sierra Negra an, den wir aufgrund diverser Merkmale nicht mitmachen werden2.
Zuvörderst fährt man uns aber zur Schildkrötenaufzuchtstation auf Isabela, die nur rund einen km von unserem Hotel entfernt ist. Das ist natürlich sehr nett, die Tiere sind einfach toll.
Ein paar Meter neben der Station ist eine ‚Lagune‘3, in der tatsächlich ein paar Flamingos nach kleinen Krebsen gründeln und einen netten farblichen Kontrast setzen.
Genau, die farblichen Kontraste: Der Hauptbestäuber auf Galápagos ist die Holzbiene und dieses arme Tier sieht Gelb- und Grüntöne, was die endemische Blütenpracht entsprechend einsilbig gestaltet.
Deshalb ist man an manchen Stellen durchaus für die vom Menschen eingeschleppten ‚Fremdkörper‘ durchaus dankbar (das im Bild nebenan ist ein Pfauenstrauch, die baumartigen Sträucher haben uns die ganze Zeit dort begeistert).
Nach den Flamingos reist die Gruppe weiter mit dem Bus, Kathinka und ich machen uns auf den Rückweg – über einen wunderschönen Trail, der auf Brücken und Stegen durch eine Sumpflandschaft führt, nachdem wir ein beeindruckendes Lavafeld durchquert hatten.
Es folgt ein unglaublich vielseitiges Programm über den ganzen Tag, dass sich aus Schwimmen gehen (fast 40m bis zum Meer, immer diese Langstrecken), Essen gehen (das sind sogar fast 100m, ich prangere das an), im Bett liegen (Klimaanlage!), in der Hängematte liegen und dergleichen in selektiver Wiederholung zusammensetzt.
Sprich, ein herrlich ruhiger und entspannter Tag.
Am Abend gönnen wir uns einen Sundowner in der pittoresken Strandbar mit dem Flaschenbaum und überlassen die anderen auch im späteren Verlauf der bereits beschriebenen Kantine4 – wir hingegen gönnen es uns so richtig und bestellen Tintenfisch und Hummer in einer unvorstellbar genialen Knoblauchsauce.
Eine Sahnehäubchen auf einem runden Tag, der mit einem leckeren Cocktail seinen Abschluss findet.
Wir sind früh im Bett. *hicks*

06.03. Aye, Tortuga!
Der Tag beginnt wieder mit einem langen und sehr gemütlichen Frühstück. Vor allem für diejenigen, die sich dann mit 5 Käsetoasts wiederfinden…
Danach geht es auf ein Fischerboot und wir fahren zum Cape Rose mit den Lavatunneln.
Die Bootsfahrt ist schon super, wir sehen einige Meeresschildkröten bei der Paarung an der Wasseroberfläche, Gelbflossenthunfische springen allenthalben herum und riesige Fischschwärme ziehen ebensolche Massen an Seevögeln an.
Wir umkreisen eine Felsinsel, auf der sich Tölpel und Seelöwen tummeln, dann geht es durch die Brandung (spannend!) in die Lava-Mangroven-Landschaft. Die Schönheit dieser Gegend macht sprachlos. Keine Welle, keine Bewegung und Bögen über Bögen von Lava, die aus eingebrochenen Tunneln entstanden und mit dem spärlichen Bewuchs der Region, Kakteen und niedrige Sträucher ein einmaliges Bild abgeben.
Bei einem kurzen Landgang sehen wir in einem Becken eine Meeresschildkröte majestätisch vorbeigleiten und freuen uns schon auf das Schnorcheln, das sich anschließt.
Meine Maske nervt ein wenig, weil sie viel Wasser reinlässt, aber die Unterwasserwelt entschädigt, auch wenn das ganze Unterfangen ein wenig langweilig beginnt.
Nach ein paar Minuten rufen aber die Insassen des anderen Bootes, das sich dort aufhält ‚Tortuga!‘.
Da muss ich hin.
Ist ja kein Problem, mal hundert Meter Vollgass zu geben im Meer. (Wenn ich nicht behindert wäre, meine Güte, habe ich mich da fertig gemacht…) Ich brauch ein paar Minuten zum Verschnaufen, dann kann ich aber zuerst mit den anderen mit und später nur noch mit Kathinka im Schlepptau auf Armlänge mit einer der großen Schildkröten schwimmen und tauchen. Das ist ganz sicher mein persönlicher Höhepunkt der gesamten Reise.
Unschlagbar und sehr ergreifend, diese Tiere sind so fantastisch und elegant und beeindruckend und…
Die gesamte Rückfahrt hänge ich meinen Gedanken nach und freue mich, dass ich das erleben durfte :-)5
Zurück im Hafen sind alle einigermaßen fertig und würden gerne was essen, aber der Führer hat beschlossen, dass wir den Besuch auf Las Tintoreas, einer vorgelagerten Lavainsel vorher noch hinter uns bringen. Meh.
Entsprechend entkräftet und lustlos schlurfen wir alle über die von Meerechsen regelrecht überwucherten Insel, deren reflektierende Lavabrocken zusätzlich schön warm von unten machen ;-). Zum Glück ist es ohnehin heiß und feucht.
Okay, die Massen an Tieren sind wirklich beeindruckend, aber uns geht mit hohem Tempo die Lust aus – letzlich kriegen wir erst um halb vier was Richtiges zu essen, nämlich eine Ceviche, kalte Suppe mit rohem, totem Fisch.
Die ist wiederum absolut genial und superlecker.

Während sich die übrigen zur ‚Tränenmauer‘ begeben, machen wir ein längeres Päuschen mit Schwimmen und Bett in klimatisiertem Zimmer…
Abends dann die Überraschung, offensichtlich hat der lokale Veranstalter auf Druck doch noch reagiert – das Abendessen gibt es nicht in der muffigen Kantine, sondern in dem Lokal, wo wir auch unser Frühstück bekommen haben.
Sehr lecker sind die diversen Fisch- und Meeresgetier-Gerichte und wir verbringen einen wirklich ausnehmend schönen letzten Abend auf Isabela.

Morgen früh geht es mit dem Schnellboot wieder zurück nach Santa Cruz.


Show 5 footnotes

  1. und eigentlich vernünftig, wenn der Server meldet, dass was nicht passt, aber das geht auch MIT EINEM BLINKLICHT, VERDAMMT NOCH MAL!
  2. Es geht permanent bergauf, zwar wohl auf Pferden, aber auch Reiten hat sich schon beim Urlaub in Marokko als ziemlich anstrengend erwiesen. Außerdem ist der Bluterguss an meinem Oberschenkel im Sattelbereich…
  3. Nicht ganz so euphemistische Geister sprachen von ‚Kiesgrube’…
  4. Die aber wohl durch Tischdecken schon massiv aufgerüstet hatte…
  5. Gabi hatte das Glück, eine Weile mit einem Pinguin zu tauchen…

1 Antwort

  1. Trichtex sagt:

    Grundgütiger! Piraten auf Tortuga! Piraten in Berlin! Piraten im Saarland! Wäre es die „echte“  Île de la Tortue gewesen, hätte man Dich von dort wohl nur gewaltsam entfernen können ;-)

    Bis hierhin ein schöner Bericht! Seit Ihr auf den Inseln seid, friere ich beim Lesen auch nicht mehr so erbärmlich…
     
    Munter bleiben…             TRICHTEX

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