Ecuador & Galápagos Islands – 2012 | Teil 4

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29.02. We’re going South
Die Sonne scheint. Der Tag beginnt herrlich klar und schon vor dem Frühstück müssen wir raus und fotografieren, so ein Wetter darf nicht ungenutzt bleiben.
Als nächstes steht Erste Hilfe an – Terezie ist vom Hotelhund gebissen worden und blutet heftig an der Hand. Zusammen mit Javier verpflastere und desinfektionssalbe ich unser Nesthäkchen, das tapfer die unangenehme Prozedur übersteht, auch wenn ihr nur nach Weinen zumute ist1.
Frühstück ist toll, die Empanadas (mit Käse gefüllte Teigtaschen) schmecken super und durch die bereits getankte Sonne ist uns sogar einigermaßen warm2.
Immerhin war das jetzt unsere ‚höchste‘ Nacht auf ca. 3300m ü.d.M.
Die Sonne bleibt uns bis zum Nachmittag erhalten und es wird deutlich wärmer, während wir durch das Andenhochland nach Gualaceo fahren. Unser erster Stopp führt uns in eine Ikat-Weberei. Ikat ist ein hochkompliziertes System, bei dem die Fäden vor dem Weben partiell eingefärbt werden und das spätere Muster sich aus dieser Färbung ergibt. Völlig unverständlich ist, wie die komplizierten Strukturen schon vorher erdacht werden – eine faszinierende Handwerkskunst jedenfalls.
Next: Orchideenzucht.
Von der Samenextraktion über die Reifung im abgeschlossenen Kreislauf bis zur ersten Blütenbildung erfahren und erleben wir den gesamten Prozess und werden in den Aussstellungshallen schier erschlagen von der Vielfalt und Blütenpracht. Nero Wolfe3 hätte seine helle Freude gehabt, aber natürlich wäre er nie nach Ecuador gereist ;-)
Von der Orchideenfarm sind es nur noch wenige km bis nach Gualaceo, wo wir auf dem Markt das Mittagessen geplant haben.
Die ganze Markthalle ist eine einzige riesige Imbissbude, in der Hühner, Rinder und ganze Spanferkel feilgeboten werden. Leider gibt es kein Cuy (Meerschweinchen), wir werden also auf diese Leckerei (?)4 verzichten müssen.
Stattdessen tun wir uns am Spanferkelbraten mit Mais und Kartoffeln gütlich – zu lächerlichen Preisen. Der Lebensmittelmarkt danach kann nicht annähernd mit dem in Pujili mithalten, weswegen wir den Aufenthalt auch eher verkürzen und wieder zum Bus streben.
Auf nach Cuenca!
Die lt. Wikipedia drittgrößte Stadt Ecuadors empfängt uns mit einem tropischen Gewitter, was den Aussichtspunkt entbehrlich macht und wir fahren zuerst zum Hotel, das mitten in der Altstadt liegt. Unser Zimmer hat ein Fenster zum Treppenhaus und eins zur Straße, das wird wohl eher laut werden…
Im aufhörenden Regen marschieren wir in die Stadt und besuchen die alte Kathedrale, die heute ein Museum ist und die neue Kathedrale, die Platz für 10.000 Menschen bietet und am Eingang mit einer überlebensgroßen Statue des Papstes Johannes Paul II aufwartet. Na toll…
Kathinka bekommt endlich ihre frische Kokosnuss :-)
Viel interessanter ist danach das Museum und die Fertigung der berühmten Panama-Hüte, die tatsächlich nicht aus Panama, sondern aus Ecuador kommen5.
Während der Rest sich noch einen Kaffee gönnt, ziehen mein kranker Schatz und ich wieder ins Hotel, Schonung ist angesagt, damit die Erkältung bald auskuriert ist.
Das Abendessen im Hotel Victoria ist vorzüglich, leider sind es die Getränkepreise auch und wir bekommen schon einen Vorgeschmack auf Galapagos, wo alles einfacher, aber dafür teurer sein soll.
Zurück auf unserem ansonsten hübschen Zimmer geben wir uns der faszinierenden Geräuschkulisse aus Straßenlärm, Hupen, Kirchenglocken, Disco, Gästen im Treppenhaus und dem Nadeldrucker des Hotels hin – bis zum Einschlafen, da sorgen dann Ohrstöpsel für selige Ruhe :-)

01.03. Towards the coast
Gutes Frühstück und Aufbruch um halb neun, heute geht es nach Guayaquil. Zuvor holen wir aber die Aussicht über die Stadt nach, bevor wir uns auf die 220 km lange Strecke machen. Der Nationalpark Cajas mit seinem Pass Tres Cruces auf knapp 4.200m Höhe bietet uns die bislang spektakulärste Strecke mit beeindruckenden Panoramen, Wasserfällen und kleinen Seen. Und Lamas. ;-)
Eine besonders lange Abfahrt in die Wolken hinein bringt uns ein paar unglaubliche Bilder, danach folgt ein längerer Nebelwaldabschnitt. Es geht runter bis in die Ebene von Guayas, flaches Land, das nur noch aus Bananen- und Kakaoplantagen besteht, unterbrochen von Reis- und Zuckerrohrfeldern. Es ist heiß und unfassbar feucht.
Wir halten bei einer Kakaoplantage, die organisch anbaut, also ohne Dünge- und Spritzmittel, besuchen die Plantage selbst, lassen uns von unzähligen Mosquitos auffressen und spielen mit dem niedlich kleinen Hund des Besitzers der Plantage. Außerdem lutschen wir frische Kakaobohnen, deren Haut (die ohnehin bei der späteren Fermentation entfernt wird) fruchtig und frisch schmeckt. Die abgelutschen Bohnen gehen direkt in die Sammlung ein, fast alle Kinder und Erwachsenen dort haben ständig Bohnen im Mund :-)
Von der Plantage aus fahren wir zur Weiterverarbeitung des frischen Kakao, lernen alles über Fermentation und Trocknung des teuren Rohstoffes und können Teile der Vorträge und Erzählungen kaum verstehen, weil der sintflutartige Regen in abartiger Lautstärke auf die Wellblechdächer der Hütten und Lagerhallen prasselt.
Der Regenguss geht weiter, während wir die letzten Kilometer in die größte Stadt Ecuadors unter die Reifen nehmen.
Guayaquil hat fast 3,0 Mio Einwohner und ist riesig in der Ausdehnung. Hier sind auch die Flüsse größer, der Guayas wird von einer 2,9 km langen Brücker überspannt.
Nach einer kleinen Such- und Stadtrundfahrt erreichen wir unser Hotel Man-Ging gegen 16:30 Uhr. Das Hotel ist modern, neuester Standard (Einhebelmischbatterien *g*) und Klimaanlage, die ist auch notwendig, die Luft draußen ist zum Schneiden dick.
In zwei Taxis fahren wir zum Parque de Iguanas. Dort laufen halbzahme Leguane zu Hunderten herum, lassen sich mit Bananen und Süßigkeiten füttern, fressen auch mal Taubenfedern zwischendrin, lassen sich anfassen und hochnehmen, ohne sich zu wehren.
Dann geht es weiter zur Uferpromenade am Fluß (der hier locker einen km breit ist) und die Gruppe marschiert weiter nach Las Peñas, dem pittoresken Stadtteil mit seinen bunten Häuschen am Cerro Santa Ana. Da man dort aber nur zu Fuß über 444 Stufen hinkommt, verzichten wir behinderterweise dankend und machen uns mit dem Taxi wieder auf den Rückweg zum Hotel. Zwei kalte Bier und ein paar erfolglose Versuche Geld abzuheben später sind wir wieder im Zimmer und genießen das schnelle und stabile Netz :-)
Das Abendessen wartet mit einem Begrüßungscocktail auf und der Abend wird dann  relativ feucht-fröhlich, nicht ganz vernünftig, denn am nächsten Morgen müssen wir wieder früh raus – die Galapagos-Inseln warten…


Show 5 footnotes

  1. Wir haben aber wohl alles richtig gemacht, nichts hat sich entzündet und Tollwut hat das Tier auch nicht gehabt
  2. Weiteres gutes Vorzeichen: Der Kellner trägt keine Daunenjacke mehr
  3. Beste Kriminalromane wo gibt!
  4. Ich stell mir das Essen aber anstrengend vor, die bestehen doch nur aus Gräten *g*
  5. Panama-Hut deswegen, weil die Dinger über Panama verschifft wurden (und bestimmt, weil es einfacher zu schreiben ist)

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