Ecuador & Galápagos Islands – 2012 | Teil 3

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26.02. Such great heights
Oh, what a perfect day…
Das Frühstück in La Cienega ist okay und natürlich ist der Cotopaxi nicht zu sehen. Sei’s drum1.
Wir fahren bei schönem Wetter los und sind nach nicht allzu langer Zeit in Pujili auf dem dortigen Markt. Das ist einfach Wahnsinn, ein unglaubliches Treiben mit allen Sorten Nahrungsmitteln, an langen Tischen essen die Einheimischen, was an den Ständen nebenan gekocht, gegrillt, gebacken und frittiert wird. Krabben, Schweineköpfe, Suppen en masse und eine Vielzahl von Dingen, die wir noch nie gesehen, geschweige denn gekostet haben.
Wir kaufen vorsichtig ein paar der Köstlichkeiten ein und lassen die Fotoapparate eifrig klicken.
Kathinka ersteht einen Brotlaib Rohrzucker und ich kaufe mir in Erwartung der Höhe am Chimborazo noch fix eine Mütze für drei Dollar – gestern am Cotopaxi waren mir doch die Ohren kalt geworden.
Unterwegs futtern wir das kräftig gewürzte Schweinefleisch, die ‚Wurst‘, die aus diversen gekochten Hülsenfrüchten und Gemüse im Schweinsdarm besteht und trinken Budweiser aus Dosen.
Es geht dann auch recht zügig steil nach oben und wir sehen zumindest den Fuß des Chimborazo mit seinen schneebedeckten Hängen.
Der Gipfel bleibt in den Wolken unsichtbar, das sind wir ja mittlerweile gewöhnt.
Der Chimborazo ist übrigens- relativ zum Erdmittelpunkt gesehen – der höchste Berg der Welt :-)2
Auf 4.300m überrascht uns ein Graupelschauer und Javier fährt sehr vorsichtig weiter, denn die Straße ist sehr glitschig. Einige andere Ecuadorianer raffen das nicht so schnell und so liegen einige Autos im Graben, eines davon mit gebrochener Hinterachse.3 Weiterfahrt ausgeschlossen. Wir hingegen fahren weiter in den Nationalpark und sichten schon bald die ersten Vikuñas.
Diese hübschen Tiere kommen bis ca. 5.000m Höhe vor und sind perfekt an das rauhe Klima in der Höhe angepasst. Sie sind wenig scheu und bleiben oft auch in unmittelbarer Nähe zum Bus stehen, so dass wir sie gut fotografieren können.
Geparkt wird an der Schutzhütte auf 4.800m Höhe – diese Höhe merke ich auch deutlich, ein paar Schritte auf ebenem Terrain sind durchaus drin, aber auf einen großen Stein klettern für ein Foto entspricht einem Dauerlauf von 20 min. auf Meereshöhe, sprich, yours truly ist ordentlich außer Puste. ;-)
In der Schutzhütte ist es eher schlecht bewirtschaftet, dennoch trinken wir einen Tee, während Heike und Therezie zur nächsten Hütte auf 5.000m aufsteigen. Dabei legt letztere einen ordentlichen Schritt vor, so dass die beiden nach einer knappen halben Stunde schon wieder da sind und wir uns wieder auf den Weg nach unten machen.
Königlich amüsiert haben wir uns über die Einheimischen, die entweder mit prächtig weißen neuen Turnschuhen oder hoch-gestöckelt das alpine Erlebnis bestimmt voll auskosten konnten.4 *g*
Nach anderhalb Stunden Fahrt, wobei vor allem die letzte halbe Stunde Bergpartie schier unglaublich ist – wir zirkeln uns an nahezu senkrecht abfallenden Hängen zu unserer Rechten entlang, immer weiter hoch – erreichen wir die Hacienda El Leito, ein wunderschönes Anwesen mit großen, gemütlichen Zimmern. Und einer Badewanne! Ein fantastisches Gefühl, mal wieder in heißem Wasser zu liegen (hinterher erfahre ich, dass genau zu dieser Zeit der Tungurahua klar zu sehen war :-( ).
Zum Abendessen gibt es Tilapia (ein karpfenähnlicher Zuchtfisch) in Mandelsauce mit Reis und Salat, insbesondere der Salat ist ein Gedicht, mit Avocados und milden Zwiebeln.
Dazu das gewohnte ‚Pilsener‘ und hinterher noch ein wenig Bilder hochladen, bevor wir schlagskaputt um kurz nach neun in die Federn sinken. Vom Abendessen zurückgekehrt finden wir den Kamin prasselnd vor und auf den Betten liegen Wärmflaschen…
Draußen quaken die Frösche zum Abschluss des bis dahin besten Tages in diesem Urlaub.

27.02. A hot episode
‚Vielleicht sehen wir ja morgen früh den Tungurahua nochmal..‘ – hahahaha, wir sehen kaum das 20m entfernte Nachbargebäude, die Wolken hängen extra tief an diesem Morgen.
Das kann uns aber nicht mehr schrecken und heute hat uns Heike einen warmen Tag versprochen, wir sind also luftig bekleidet, auch wenn es auf der Höhe alles andere als ‚heiß‘ ist.
Die Bergpiste ist diesmal auch nicht so furchteinflößend, da zum einen das Tal mit Wolken verhangen ist und man somit nicht sieht, wie tief es runtergeht, zum anderen fahren wir an der Bergseite lang.
Im Tal passieren wir ein Unfallgeschehen, von dem wir am nächsten Tag erfahren, dass ein Pickup aus unerklärlichen Gründen nach einem Überholmanöver ca. 80m tief abgestürzt ist, wobei dei drei Insassen den Tod fanden. Kurzzeitig ist uns ein wenig unwohl deswegen…
Es geht aber weiter nach Amazonien in Richtung Osten, dem Pastazza-Fluss folgend, die Strecke ist kurvig, eng und mit Tunneln gespickt. Da ein paar trübe Funzeln im Tunnel flackern, braucht der Ecuadorianer an sich kein Licht anzumachen *g*. Die tunnelfreie schöne Strecke am Berghang entlang endet leider durch ein wenig (ähem) Steinschlag und der Rückwärtsgang darf sich an einer langen Strecke erfreuen…
Die Vegetation wird immer üppiger, die Hänge sind überwachsen mit sattem Grün, auf den Bäumen tummeln sich Bromelien und Orchideen sind allenthalben zu bewundern.
Die erste Attraktion ist ein schöner Wasserfall, zu dem man über den Fluss in einem besseren Drahtkorb überfahren kann. Machen wir natürlich alle, ist auch nur halb so spektakulär, wie man es erwartet haben mag. Außerdem haben wir 100% Luftfeuchtigkeit, es regnet nämlich :-)
Ein paar km weiter besuchen wir den privaten Naturpark eines völlig durchgeknallten, aber überaus sympathischen Freaks, der einen beeindruckenden Urwald rund um den ‚Pailon de Diablo‘, den Teufelsfall, einen tosenden Wasserfall, an dessen Flanke man auf glitschigen Steinen entlang gehen kann, angelegt hat. Die ‚birder‘ unter uns suchen begeistert die grüne Hölle ab und für die botanisch Interessierten ist es eh das Paradies.
Es wird tatsächlich immer wärmer, während wir uns Puyo nähern, ein Zwischenstopp ist aber noch dem Zuckerrohrsaft (Jugo de Caña) mit Limetten gewidmet, der frisch ausgepresst serviert wird und wirklich köstlich schmeckt. Dazu gibt es Zitrone mit Salz, auch lecker, aber der Tequila fehlt.
Das breite Flusstal wird von Truthahn- und Rabengeiern umzirkelt, die bisweilen auch ganz nah an uns vorbeifliegen.
Weiter geht es in Richtung Puyo. Dort machen wir eine unfreiwillige Stadtrundfahrt, weil wir den Omaere-Park nicht finden, letztendlich muss ein einheimischer Taxifahrer vorausfahrend behilflich sein. Am Eingang lernen wir die Bedeutung von ‚Martes a Sabado‘ kennen, das heißt nämlich ‚heute nicht‘ – der ethnobotanische Garten hat montags geschlossen, auch wenn alle Reiseführer was anderes behaupten.
*seufz*
Wir beschließen, die Enttäuschung wegzutrinken und finden dazu in einem nahen Hotelgarten die ideale Gelegenheit. Als kleinen Snack bestellen Kathinka und ich uns eine Kartoffelsuppe5 darin und eine Guacamole mit Nachos. In den Bäumen tummeln sich ein paar Aras, das ist dann auch für uns Vogel-Banausen mal was Besonderes.
Puyo ist ansonsten bekannt für seine Balsaholzschnitzereien, in einem Andenkenladen sind wir schon beeindruckt von den unglaublich lebensecht wirkenden Obst-Imitaten, die wir dann aber doch nicht kaufen, es staubfängert schon genug in unseren Haus.
Der mit ‚über zwei Stunden‘ angekündigte Rückweg nach Baños (de Agua Santa) ist dann doch nur eineinviertel Stunden lang und so haben wir die Gelegenheit, nach dem Einchecken noch ein bisschen durch den Ort zu schlendern und die lokale Spezialität ‚Melcocha‘ zu probieren und einzukaufen. Melcocha ist geschlagener Rohrzucker, mit Aromen versetzt, furchtbar süß und eher nichts für mich, aber als Mitbringsel nicht verkehrt.
Abendessen steht an und wir fahren über eine weitere mehr oder minder abenteuerliche Piste nach Luna Runtun ins Café Cielo, von wo aus wir bei diversen Kleinigkeiten (Crêpes mit Steakfleisch und Thymian, mjam) einen sagenhaften Blick auf das nächtliche Baños haben.
Der Proxyserver für den Internet-Zugang im Hotel ist nicht der Schnellste, weswegen wir auf größere Aktivitäten im Netz verzichten und gegen 10 schlafen.
Das Hotel Sangay liegt genau zu Füßen eines Wasserfalls und gegenüber der lokalen Therme, für die wir aber leider genausowenig Zeit haben wie für die zahlreichen Wellness-Angebote des Hotels.
Egal.

 

28.02. Some Inkas like it cold
Ein ‚Fahrtag‘ liegt vor uns, ein solcher, von dem in der Beschreibung nur von absoluten Kilometern die Rede ist und keine Zeitangabe, vermutlich, weil ‚7 Stunden im Bus‘ zu abschreckend wäre.
Der Bus ist aber bequem und Heike kennt sich sehr gut im Land aus, so dass sie immer ein paar geschichtliche Fakten oder Anekdoten zu Landstrichen oder Ortschaften parat hat. Kurzweilig ist es also, auch wenn die Landschaft auf dem Weg nach Alausi durch den kompletten Kahlschlag der noch vor 150 Jahren dort existierenden Wälder nur des Grüns der Regenzeit wegen nicht an eine Wüstenlandschaft erinnert. Einen ersten Stopp machen wir an der ältesten Kirche Ecuadors, ein durch Erdbeben und den Zahn der Zeit schon arg gebeuteltes Stück Gebäude. Nebenan ist ein kleiner Andenkenstand und Kathinka findet ihren nächsten Pullover, diesmal kostet er gleich nur 18,00 $, also ein echtes Schnäppchen und sie handelt auch erst gar nicht.
Unspektakulär die Weiterfahrt nach Alausi, wo wir kurz vor Mittag eintreffen. Es ist Zeit genug für einen kleinen Bummel durch das reizende Städtchen, das längst nicht so hässlich wie die anderen Dörfer ist. Unser Mittagessen in der ‚Meson del Tren‘ ist lecker und sättigend, das Gebäude ist schön und wir verstehen uns wirklich alle gut miteinander.
Von Alausi geht es dann wieder aufwärts ins Hochland, wenig spektakulär. Es beginnt zu regnen und hört nicht mehr auf, leider auch nicht, als wir in Ingapirca gegen 16:00 Uhr eintreffen.
Die Ausgrabungsstätte ist sehr beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit die Inkas tatsächlich hatten, um das alles zu errichten, bevor die Spanier sie platt gemacht haben.
Don José, unser local guide, berichtet sehr anschaulich und mittlerweile ist mein Spanisch wieder so gut, dass ich nahezu alles verstehe. Leider ist im Anschauen viel Stehen inbegriffen, was bei der Kälte und Nässe daselbst kein Spaß ist – tatsächlich wird Kathinka in der Folge auch krank…
Nach der Besichtigung geht es in die Hosteria, die nur wenige Meter weiter den Berg hoch liegt und es beginnt ein durchaus kalter Abend.
Wir haben ein großes Zimmer, aber immerhin einen kleinen Radiator, der Kamin wird nicht beheizt, es gibt aber eine Wärmflasche. Wie so oft tut das warme Wasser erst, nachdem wir der Rezeption Bescheid gesagt haben und ein sehr dünnes Internetz gibt es immerhin auch.
Zum Abendessen wird statt des gewohnten Aperitivs (Canelasso) Sanguaracha gereicht, eine blutrote, heiße, alkoholische Flüssigkeit, deren Farbe vom Fuchsschwanz kommt.6
Weiter kann Vino caliente (heißer Rotwein) geordert werden :-) – der tut auch not, weil die Gastgeber den Zusammenhang zwischen wenig Raumwärme und zwei gegenüberliegend offenstehenden Türen nicht so ganz geschnallt haben. Da hilft dann auch der offene Kamin wenig. Ein Ofen wäre sinnvoller, sieht aber nicht so hübsch aus.
Wir kriechen früh ins Bett und haben Mühe, die kalten Decken warm zu kriegen, dann aber schlafen wir herrlich ruhig und lang – am nächsten Tag ist Kathinka trotzdem schwer erkältet.


Show 6 footnotes

  1. Wir treiben unsere Führerin in grinsende Verzweiflung mit „vermutlich gibt es hier überhaupt keine Berge…“. Ihre ‚Gegenbeweise‘ werden mit „Jaja, ich kann auch Photoshop.“ zunichte gemacht…
  2. Relativ zum Meeresspiegel ist er 6.267m hoch. Neuerdings. Alles ist in Ecuador irgendwie relativ.
  3. Die Insassen stehen frierend daneben, ist ja auch eine klasse Idee, auf 4.800m mit einem Strickjäckchen ausgerüstet hochfahren zu wollen.
  4. Bestimmt haben die auch nicht geglaubt, dass da ein Berg ist.
  5. Natürlich mit ein paar Löffelchen Aji. Warum es keinen Eintrag in der deutschen Wikipedia gibt, entzieht sich meiner Kenntnis
  6. Wenn der Kellner eine Daunenjacke trägt, sollte man vorsichtig sein.

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