Die neuen Leiden des nicht mehr ganz so jungen W.

Basteln im Hause Wenz: Ich will eine neue Maschine zusammenbauen – als Server für Medien, Drucker, Web und was mir sonst noch so einfällt. Vor zwei Jahren habe ich mal zu Testzwecken und zum Üben aus PC-Resten einen Server zusammengestrickt, der im Großen und Ganzen seine Sache auch ganz gut gemacht hat, aber die Komponenten waren eher low end und damit war der Kasten hauptsächlich eines: Laut. Dafür nicht besonders schnell, das ist auch was wert…

Was sollte also das neue Teil können?
Leise sein.
Schnell sein.

Für den technical Lead versichere ich mich der Dienste von Matthias, der mir auf Basis meiner Wünsche eine Stückliste zusammenstellt…
Raid 1 mit zwei 1TB-Platten, eine externe selber Größe für’s Backup (habbich schon). Ein Asus-Board mit Cool ’n‘ quiet-Features, Lüfterregelung, einer Batterie USB-Anschlüsse für Drucker und sonstige Peripherie. Ein stromsparender Prozessor mit Scythe Mugen2-Kühlung (die hatte ich bei einer Freundin in die Maschine verbauen lassen und war beeindruckt von der nahezu lautlosen Performance). 4 GB RAM.
Das Drama nahm seinen Lauf.

Ich bau gerne sowas zusammen, auch wenn ich mich für einen blutigen Dilettanten halte. Prozessor aufs Mainboard, das kann ich gut. Schaut mich an, ich bin Ingenieur.
Next: Tolle teure Wärmeleitpaste gleichmäßig auf den Prozessor pinseln. Nervig ist das, weil das Zeug genau gar nicht halten will, mit jedem Pinselstrich ziehe ich den Kram wieder ab, wo ich ihn eben mühselig verteilte.
Übung macht aber den Meister und nach ein paar Minuten geht es gut und schon wieder bin ich von mir begeistert.
Als ich nach einer halben Stunde Nachdenken und Wundern auch die Konstruktion und den Einbau des riesigen Kühlkörpers begreife und mit Hilfe von Büchern und Verpackungsmaterial das MB umgekehrt von oben auf dem Kühler befestigt bekomme, beginne ich, den Nobelpreis zu wittern.
Der Rest ist einfach. MB ins Gehäuse, Netzteil rein und anschließen, RAM-Riegel rein, Festplatten rein und ran, Knöpfe und Schalter verbinden, super. Sieht gut aus und ist wirklich superleise, was ich beim ersten Startversuch erfreut konstatiere.

Was mich nicht freut, ist, dass nicht zu sehen oder zu hören ist. Kein Beep, schwarzer Bildschirm.
Grmpf.
Was hab ich übersehen?
Nochmal alles überprüft, kein Fehler erkennbar.
Tante Google anschmeißen, nach Problemen mit dem Board checken.
Oha, gibt es, genau die Fehlerbeschreibung wie bei mir. Mit Hilfestellung.
Also: CMOS Reset, einen RAM-Riegel raus und nochmal booten.
BEEP.

Da schau. Das Bios ist da. Super.
Erst mal auf neueste Version flashen, geht problemlos.
Den zweiten RAM-Riegel wieder rein, nochmal booten.
Kein Beep, schwarz, nichts geht. Aaaaaaaaaaaaaaaa.
CMOS Reset, RAMs in allen Slots ausprobieren, geht nicht.
CMOS Reset, ein RAM drin.  Booten. BEEP. Bios wieder da.
Okay, dann hat der eine Riegel wohl eine Macke.
Mittlerweile ist Matthias da und wir stellen ein bisschen am Bios rum, Lüfter-Performance und dergleichen.
Dann hängen wir das externe Laufwerk dran und installieren Ubuntu Server. Bzw. wollen wir installieren, wir kommen aber nur bis zur Spracheingabe, danach wird das Bild schwarz und der Rechner muckt gar nicht mehr. Booten.
Dasselbe nochmal. Wieder Spracheingabe, Bild schwarz und Ende.
Hm.

HM!

Matthias schlägt vor, das Bios nochmal zu flashen, vielleicht bringt das ja was.
Machen wir, genauso wie vorhin, das klappte ja problemlos.
Diesmal nicht.
Mitten in die Anzeige und den Laufbalken ‚Erasing Bios‘ knallt ein BEEP und der Rechner geht aus.
Und nicht wieder an.
Gar nicht mehr.

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah.

Klar, so völlig ohne Bios geht es nicht, also habe ich heute den ganzen Scheiß wieder auseinandergebaut und werde morgen mal zur Filiale des Versenders fahren in der Hoffnung, das Teil unproblematisch umtauschen zu können. Asus! Das merke ich mir!

UnddannmussichdasganzeGefrickelgeradenochmalmachenherrgottsackzementverfluchtnochmal.

7 Antworten

  1. theQ sagt:

    Herr Wenz, wie schön. Ich freue mich auch schon auf die nächste Kiste, die ich für einen Bekannten zusammenschrauben werde. Und direkt danach den neuen für meine Eltern. Und dann meine Maschine upgraden. …

  2. Oxi sagt:

    Rate mal, warum ich nur noch iMacs kaufe.
     
    Die *will* man nicht aufmachen.
     
     

    • sparta sagt:

      Ich lachte :-)
      Für eine inflexible Lösung, die dem von mir intendierten Zweck genau nicht nachkommt, ungefähr das vierfache dessen ausgeben, was meine Maschine kostet, hielte ich dann doch für eher für einen Schildbürgerstreich.

      Abgesehen davon sind mir proprietäre Lösungen einfach ein Gräuel, egal, ob man sich dafür arm macht oder nicht…

      • Oxi sagt:

        Jaja. Wenn man die eigene Arbeitszeit nicht rechnet, ist es biliger. Ansonsten sind für mich die Rechner kein Fetisch mehr. Die Zeiten, in denen ich alte Würfelmacs repariert habe sind vorbei. Damals, SE/30 mit dem Lötkolben traktiert. Und ich führe den Lötkolben eher wie eine Mistgabel.
        Kommt halt immer auf die Gesamtsituation an.
         

      • sparta sagt:

        Nö.

        Erstens ist das ja ein Hobby und keine Arbeit.
        Zweitens ist es selbst bei einem Stundensatz von 300 Euro noch erheblich billiger und den haben wir beide nicht (gehabt in besten Zeiten).

        Hat was von dem Typ gerade, der zu dem Maler sagt: Fotografieren sie’s doch, geht schneller…

  3. Auch wenn sich der Fehler inzwischen geklärt haben könnte: Klingt fast wie ein Kühlproblem des Prozessors. AMD oder Intel?

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