Der Testlauf – mit den Katzen im ‚Outback‘

Ich hab ja da dieses Häuschen im Rheingau mitsamt der ganzen Wildnis drumherum.
Wir sind supergerne da, allerdings bedeutet es jedesmal, eine Versorgungsmöglichkeit für die beiden Katzen finden zu müssen. Das ist zwar prinzipiell möglich, aber wir wollen die Nachbarn auch nicht über Gebühr einspannen und manch kleine Katze wird beim Füttern zu einer eher stressigen ’special snowflake’…
„Dann nehmen wir sie halt mit.“ Gute Idee, aber nicht ganz leicht zu realisieren. Es gibt dort halt Natur. Und zwar im Überfluss, in Form von Greifvögeln, Mardern und hohen Bäumen – lauter Sachen, die für auf eine Wohnung im 4. Stock eingeschränkte kleine Katzen unangenehm werden könnten.
Andererseits gibt es nur zwei große Löcher zu verschließen, sprich, die Terrasse einzunetzen. Dann können die Menschen zwar nicht mehr über die Terrasse auf’s Grundstück, aber das ist erst mal nachrangig. Wenn alles funktioniert, lässt sich immer noch eine elegantere und leicht entfernbare Option einbauen.
An der Außenseite der Terrasse habe ich Regalschienen angebracht1 und plante ursprünglich, die Netze über Federsplinte zu befestigen. Das Befestigen war auch kein Problem, beim Belastungstest zeigte sich aber, dass die Splinte bei punktueller Netzbelastung nicht halten 2.
Gut, das funktioniert also nicht. Letztlich habe ich mir einen festen Polyesterfaden besorgt und in durchaus mühsamer Tätigkeit die Netze an die Schienen ‚genäht‘ – Polsternadeln sind bei so etwas sehr hilfreich, es hat trotzdem elend lang gedauert.


Die Hoffnung auf fantastisches Wetter hat sich nicht erfüllt, aber dennoch haben wir letzte Woche drei Tage eingeplant und die Aufregung und Anspannung war doch sehr groß. Nicht zuletzt, weil es sich in der Woche zuvor noch eine Marderfamilie unter dem Dach gemütlich gemacht hatte. Ich hatte die Zugänge zwar weitgehend verschlossen und gehofft, dass sie sich – wie schon zwei Jahre zuvor – dann wieder verziehen, aber sollten sie noch da sein, werden insbesondere die Nächte anstrengend. In der nächtlichen Totenstille dort gibt es kaum etwas Nervigeres als aufgedrehte Marder, die mit Tennisbällen unter dem Dach spielen… Dazu noch mit ausgezeichnetem Gehör ausgestattete Feliden…
Aber erstmal hinkommen.
Bella und Pina wurden in ihre stabilen Carrier verbracht 3 und unter nachhaltigem, aber nicht panischem Gemaunze sind wir alle zusammen in den Rheingau gefahren.
Und schon nach wenigen Stunden vor Ort war klar – das ist ein voller Erfolg. Die Neugier überwog alle Furcht und nach einer kurzen ‚ich setz mich unters Sofa, weil alles neu und fremd‘-Phase haben sie ihre neue Umgebung komplett erkundet. Zuerst noch vorsichtig und geduckt, jederzeit auf dem Sprung, aber dann immer selbstsicherer und im ständigen Kontakt mit uns. Es gibt aber auch soviel Spannendes da, Regale, Teppiche!, Schaffelle, Spinnweben und und und.
Wir haben eigentlich die ganze Zeit nur dagesessen und uns das Schauspiel mit Begeisterung angeschaut.

Am ersten Tag (und in der ersten Nacht) wurde auf Katzenseite kaum geschlafen, es gab ja auch ständig was zu tun. Bella schaffte es, sich zwischendurch zu ‚erfrischen‘ – wir hatten zuerst eine Schale als Wassernapf verwendet, aber nicht bedacht, dass Bella sich beim Trinken immer auf dem Rand mit den Vorderpfoten abstützt. Es war dann auf einmal ein leises *Boink* zu hören – die arme Bella hatte sich die Schale selbst vor die Nase gehauen und den Inhalt mit Schwung ins Gesicht geschüttet. Und die Zweibeiner lachen auch noch so dämlich.
Die Schale wurde durch eine schwere Pfanne ersetzt, da ist der Rand zwar unangenehm zum Draufstehen, aber wenigstens kippt das Ding nicht. Das nasse Tier wurde ausgiebig geflauscht und hat wohl keinen bleibenden Schaden davon getragen :-)

Die Marder waren übrigens weg, das hat mich doch sehr erleichtert…
Das hohe Aktivitätslevel des ersten Tages bescherte uns einen extra entspannten zweiten Solchen. Sie kamen sie aus dem Pennen gar nicht mehr raus und wir verbrachten friedliche Stunden mit Kaminfeuer und Lesen4, während hochzufriedene Kätzchen sich Niedlichkeitswettbewerbe beim Kuscheln lieferten.
Überhaupt: Kaminfeuer. Vielleicht die größte Einzelfaszination für die Beiden. Noch nie hatte ich so ein aufmerksames Publikum beim Anheizen, Schüren oder Ofenreinigen.

Die Rückfahrt verlief völlig problemfrei und für unser Gefühl auch stressärmer, ein wenig Dialoggemaunze – es ist auch doof, dass man bei den Carriern nichts zur Seite rausgucken kann, also wird akustisch kommuniziert.

Wir freuen uns, dass wir unseren Urlaubsort für den Sommer damit sichergestellt haben und freuen uns schon mächtig <3

 


 

Show 4 footnotes

  1. quick and dirty
  2. Testaufbau: Man werfe einen ca. 4 kg schweren Holzklotz von innen in das Netz.
  3. in denen sie immer ein bisschen wie auf einer Marsmission aussehen
  4. außerdem habe ich den Schuppen aufgeräumt, die Einfahrt sauber gemacht, Heckenpflanzen beschnitten, Kirschbäume ausgemacht, einen Molch gefangen und meine Liebste mit der gesamten Größe des Grundstücks vertraut gemacht ;-)

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